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Das Herz am rechten Fleck und italienische Möbel

Das italienische Familienunternehmen Bonaldo hat sich vom einfachen Metallbauer zum international gefragten Design-möbelhersteller entwickelt. Ein Besuch in der Firmenzentrale in der Nähe von Padua zeigt, dass sich trotz industrialisierter Abläufe nicht weniger Liebe und Hingabe hinter den Möbeln versteckt, als bei ausschliesslich von Hand gefertigten Stücken.

Treuer Begleiter in allen Wohn- und Lebenssituationen: Beistelltisch «The Duck» von Alessandro Busana.zoom
Treuer Begleiter in allen Wohn- und Lebenssituationen: Beistelltisch «The Duck» von Alessandro Busana.
 
 
Designer Alain Gilles hat mit «Eddy» eine Hommage an das Fixie, ein Rennrad ohne Freilauf, Gangschaltung und Bremsen geschaffen. Das lackierte Gestell ist aus Metallrohr, die verbindenden Elemente zwischen den einzelnen Bauteilen sind Schnellspanner.
Designer Alain Gilles hat mit «Eddy» eine Hommage an das Fixie, ein Rennrad ohne Freilauf, Gangschaltung und Bremsen geschaffen. Das lackierte Gestell ist aus Metallrohr, die verbindenden Elemente zwischen den einzelnen Bauteilen sind Schnellspanner.

Ein lauer Sommerabend in Padua. Wir sitzen an einer langen Tafel im Restaurant Kofler auf der Piazza dei Signorini. Wir, das sind eine Handvoll Journalisten aus Deutschland, der Schweiz, Frankreich, Polen und Russland. In unsere Mitte haben wir Alberto Bonaldo genommen, in dritter Generation Geschäftsführer des gleichnamigen Designmöbelherstellers, und löchern ihn mit unseren Fragen, die er allesamt aufrichtig und ohne die übliche PR-Sprache beantwortet. Zwischen Erzählungen über die Entwicklung des Unternehmens vom Metallverarbeiter für Bettenroste bis hin zum international gefragten Designmöbelhersteller, füttert er uns nicht nur mit Antworten, sondern auch mit köstlichen Vorspeisen, Pasta und natürlich Tiramisu: «Es ist eines meiner Lieblingsrestaurants und die Stimmung im Sommer auf diesem Platz ist einfach umwerfend.»

Die Verbundenheit zu Venetien zieht sich wie ein roter Faden durch die mittlerweile 80-jährige Firmengeschichte. Bis heute werden die Möbel und Accessoires ausschliesslich hier, in der Zusammenarbeit mit regionalen Lieferanten und Fachkräften, gefertigt. 1936 wird Bonaldo als Handwerksbetrieb gegründet, der sich anfangs nur auf die Metallverarbeitung spezialisiert. Zunächst nur Bettenroste, später auch Bettgestelle. 1971 nimmt das Unternehmen zum ersten Mal am Salone del Mobile in Mailand teil – ein Schritt mit weitreichenden Folgen. Die Produkte stossen auf grosses Interesse und veranlassen das Unternehmen dazu, auf industrielle Produktion umzusteigen. In den folgenden Jahren werden neben Betten nun auch Sessel, Sofas, Tische, Stühle und kleinere Wohnaccessoires entworfen. «Der letzte Schritt in Richtung Designmöbel wird um die Jahrtausendwende vollzogen», erzählt Alberto Bonaldo. Nun beginnt auch die intensive Zusammenarbeit mit renommierten Designern, darunter Karim Rashid, Ron Arad, Bartoli Design und Mauro Lipparini, die neue, raffinierte Produkte entwickeln und eine eigene Designsprache für das Unternehmen schaffen, die sich nicht hinter zurückhaltenden, klassischen Formen und gedeckten Farben versteckt, sondern mit Lust und Experimentierfreude auch mal neue Dimensionen auslotet. Höhepunkt und Bestseller ist der «Big Table», 2009 von Alain Gilles entworfen und mittlerweile in über 700 Varianten erhältlich.

Die Tischbeine des neuen Tisches «Cop» erinnern an stilisierte Flaschen, Gläser und Champagnerkelche. Designer Roberto Paoli spielt mit der Idee der Spiegelung, in dem er das, was auf dem Tisch steht, darunter packt.zoom
Die Tischbeine des neuen Tisches «Cop» erinnern an stilisierte Flaschen, Gläser und Champagnerkelche. Designer Roberto Paoli spielt mit der Idee der Spiegelung, in dem er das, was auf dem Tisch steht, darunter packt.
 
 
Der mit dem Good Design Award ausgezeichnete Showroom beherbergt nicht nur die aktuelle Kollektion, sondern ist auch Firmenmuseum und Veranstaltungsort für kulturelle Events.zoom
Der mit dem Good Design Award ausgezeichnete Showroom beherbergt nicht nur die aktuelle Kollektion, sondern ist auch Firmenmuseum und Veranstaltungsort für kulturelle Events.

Neuer Showroom, altes Selbstverständnis
Im Jahr 2011 wird der neue Showroom eröffnet. Architekt Mauro Lipparini verwandelte eine ehemalige Produktionshalle in ein über 6000 Quadratmeter grosses Designcenter, in dem sich nicht nur Firmengeschichte, sondern auch die neusten Produkte wiederfinden und das auch für Ausstellungen und Events gedacht ist. Während der Weg zum Eingang mit aus China importierten Steinen gepflastert wurde, die bei niedrigen Temperaturen ihre Oberfläche verändern und immer wechselnde Blumenmuster zum Vorschein bringen, befinden sich im Inneren des Gebäudes zwei lichtdurchflutete Wintergärten, die als Begegnungsstätten dienen. Der innovative Umbau wurde sogar mit dem Good Design Award ausgezeichnet. «Der Schwerpunkt auf konzeptioneller Arbeit und Projekten, die nicht nur einzelne Möbelentwürfe erfordern, ist zunehmend wichtiger geworden und schlägt sich auch im Umsatz nieder», so Alberto Bonaldo. Das Unternehmen ist weiterhin auf Erfolgskurs und liefert mittlerweile umfassende Wohnkonzepte sowie Komplettlösungen, die das experimentelle und aussergewöhnliche Bonaldo-Universum in all seiner Vielseitigkeit widerspiegeln. Die konsequente Erweiterung dieses Universums ist auch für die Zukunft geplant und obwohl die Marke sich längst über die Grenzen Italiens hinaus etabliert hat, bleibt eines gewiss: Ihr Herz schlägt nirgendwo anders als hier in Padua.

 
 
Sofa «Lovy» überrascht mit halbovaler Sitzfläche und einer Rückenlehne, die aus zwei unterschiedlich hohen Elementen besteht. Design: Sergio Bicego.zoom
Sofa «Lovy» überrascht mit halbovaler Sitzfläche und einer Rückenlehne, die aus zwei unterschiedlich hohen Elementen besteht. Design: Sergio Bicego.
Beim Sideboard «Shade» experimentierte das Studio Viganò mit grafischen Mustern. Das hohe Untergestell aus Metall gibt dem kompakten Möbel eine lockere Note.  zoom
Beim Sideboard «Shade» experimentierte das Studio Viganò mit grafischen Mustern. Das hohe Untergestell aus Metall gibt dem kompakten Möbel eine lockere Note. 
AlbertoBonaldo führt in dritter Generation das Familienunternehmen.zoom
AlbertoBonaldo führt in dritter Generation das Familienunternehmen.
 
 
 

Text: Katrin Montiegel
aus: Raum und Wohnen, Heft Nr. 12/17-01/18

Bezugsquelle:

Bonaldo
www.bonaldo.it

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