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Nachhaltige Möbelernte

Was mit der Tüftlerei im Garten der Schwiegermutter seinen Anfang nahm, wurde die Geschäftsidee schlechthin: Gavin Munro, ein Gärtner aus Grossbritannien, betreibt Möbelplantagen, auf denen dank ausgefeilter Technik Stühle, Lampenschirme und Tische wachsen.

 
 
Auf seinen Plantagen bringt der leidenschaftliche Gärtner vorwiegend die Äste von Weiden in Möbelform, experimentiert aber bereits mit anderen Holzarten wie Esche oder Eiche.zoom
Auf seinen Plantagen bringt der leidenschaftliche Gärtner vorwiegend die Äste von Weiden in Möbelform, experimentiert aber bereits mit anderen Holzarten wie Esche oder Eiche.

Zwischen vier und acht Jahre dauert es, bis ein Möbelstück herange- wachsen ist, über die nötige Stabilität verfügt und geerntet bzw. gesägt werden kann. «Dies ist im Vergleich zu einem Baum, der frühestens nach 50 Jahren gefällt, abtransportiert und zu einem Möbelstück verarbeitet werden kann, eine äusserst effiziente Produktionsweise», meint Gavin Munro. Bis der leidenschaftliche Möbelzüchter die richtige Methode zur Produktion im grossen Stil gefunden hatte, musste er jedoch einige Hürden überwinden. Mal lag ein Grundstück zu sehr im Schatten, mal liessen sich entwischte Kühe die frischen Setzlinge schmecken, zudem musste er lernen, einen Weg mit und nicht gegen das natürliche Wachstum zu finden. Mittlerweile wachsen die Möbel kopfüber und aus einer einzigen Pflanze, auch dies ist das Ergebnis jahrelangen Ausprobierens. Ist ein Möbelstück erst einmal erntereif, wird im nächsten Schritt das Holz getrocknet. Die Möbel werden nur sehr zurückhaltend bearbeitet, die Mitarbeiter schleifen beispielsweise bei einem Stuhl nur die Flächen glatt, die dem Sitzkomfort zuträglich sind. Wo immer möglich, bleibt die Rinde erhalten, um das natürlich Gewachsene sicht- und spürbar zu lassen. Eine Stuhlplantage betreibt der Gärtner zwar schon seit zehn Jahren, doch erst letztes Jahr konnte er nennenswerte Stückzahlen abernten. Oftmals werde der Aufwand unterschätzt: «Wir produzieren nur etwa 50 Stück pro Jahr. Aber für 100 Bäume, die man anbaut, muss man 100 Zweige pflegen und 10'000 Äste zur richtigen Zeit in die richtige Form bringen. Im Grunde ist es fast schon eine eigene Kunstform, das alles organisatorisch unter einen Hut zu bringen.»

www.fullgrown.co.uk

 
 

Text: Silja Cammarata,
aus: Raum und Wohnen, Heft Nr. 02/18

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