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Schwebende Leichtigkeit

Mit klaren Linien, geometrischen Auskragungen und akzentuierenden Öffnungen strahlt diese mediterrane Villa auf Sizilien schwebende Leichtigkeit aus.

Das Wohnen gruppiert sich um das gläserne Atrium. Die doppelte Schiebetüre trennt die Küche vom Essbereich.zoom
Das Wohnen gruppiert sich um das gläserne Atrium. Die doppelte Schiebetüre trennt die Küche vom Essbereich.
 
 

Etwas eingeklemmt zwischen zwei bebauten Parzellen hebt sich die rationalistisch anmutende Villa mit ihren nüchternen Farben und ihrer rigorosen Architektur von der Umgebung ab, einem ziemlich banalen Wohnviertel, wo sonst Pastellfarben und antikisierende Eisengeländer zum landläufigen Standard gehören. In der südwestlichen Peripherie von Ragusa auf Sizilien, wenige Kilometer vom Meer entfernt, tritt das helle Gebäude mit seinen scharfen geometrischen Linien als ein fremdes Gebilde auf. Der Kontrast zwischen den Glaswänden und den dunklen Flächen aus Lavagestein im Erdgeschoss-Sockel sowie den weissen Fassaden des vorspringenden Obergeschosses, das wie aufgesetzt erscheint, verleiht der Architektur eine schwebende Leichtigkeit. Auskragende, eingerahmte Balkone beflügeln die weisse Villa und vermitteln den Eindruck, der befremdende Bau könnte aus anderen Dimensionen auf dem kleinen Terrain im herrschaftlichen Wohnviertel gelandet sein

Grosse Glasfronten prägen den hellen, offenen Wohnbereich und stellen den Kontakt zum Garten her.zoom
Grosse Glasfronten prägen den hellen, offenen Wohnbereich und stellen den Kontakt zum Garten her.

Im Erdgeschoss finden die gemeinsamen Wohnräume der Familie Platz, der grosse Wohn-/Essraum, der fast die Hälfte des Erdgeschosses einnimmt, die Küche, teils durch eine Schiebewand getrennt, teils durch Glaswände in Szene gesetzt, sowie drei kleine Arbeitsräume. An der südöstlichen Querseite, durch dicke Mauern geschützt, befindet sich das Schlafzimmer der Eltern mit Fenstertür zum Garten sowie Ankleide und Bad. Die obere Etage ist ganz den schon erwachsenen Kindern gewidmet. Tochter und Sohn haben dort zwei separate Wohnungen erhalten. Ein sanftes Licht strömt ins weisse Wohnzimmer, gedämpft durch die Balkone mit ihren auskragenden Umrahmungen und verschiebbaren Beschattungslamellen. Diese schützen in der warmen Saison nicht nur vor den grellen Sonnenstrahlen, sondern dienen auch der Privatsphäre. Durch die grossen Glasschiebetüren wird der Garten ins Wohnen einbezogen und so der Wohnraum in seiner Dimension erweitert. Die Räumlichkeiten lassen sich zum Garten hin je nach Wetter und Bedarf beliebig öffnen oder schliessen. Den Architekten ist eine perfekte Balance gelungen zwischen vollen und leeren Volumen, Licht und Schatten, Glas und Stein, Hell und Dunkel, Gemeinschaftsbereichen und Privatsphäre. Hier ist alles essentiell, nichts ist überflüssig oder banal. Die minimalistische mediterrane Villa suggeriert neue kontemporäre Bauweisen mit Materialien aus der lokalen Tradition und wartet mit ihrer schwebenden Leichtigkeit auf mutige Nachfolger.


Text: Paola Tamborini, Fotos: Cristina Fiorentini
Architektur: Architrend Architecture, Ragusa, Italien, www.architrend.it
Die ganze Reportage lesen Sie in: Raum und Wohnen, Heft Nr. 04/14

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