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Knoll ...und dann kam Florence

Als Hans Knoll und Florence Schust in den 1940er-Jahren in New York aufeinander treffen, beginnt die wohl schönste Romanze der modernen Designgeschichte. Mit den klassichen Entwürfen von Eero Saarinen, Warren Platner, Harry Bertoia oder Mies van der Rohe kreierten die beiden Wohn- und Arbeitswelten, die damals wie heute den Raum vervollständigen, anstatt mit ihm in Konkurrenz zu treten.

 
 

Damals... Deutschland in den 1930er-Jahren: Das Bauhaus in Weimar muss aufgrund der politischen Lage seine Türen schliessen, gleichzeitig packt der junge Hans Knoll aus Stuttgart seine Sachen und macht sich auf, um die Idee von modernem europäischem Design in den USA zu etablieren. Nachdem der Krieg in Europa den Import von Möbeln zunehmend erschwert, beschliesst er, selbst Möbel zu fertigen, schliesslich ist er als zweiter Sohn von Möbelproduzent Walter Knoll bestens mit der Materie vertraut. Was er hierfür jedoch benötigt, sind Entwürfe, die seiner Vision entsprechen, einer klaren, sich der Funktion unterordnenden Formensprache zu folgen.

Mit Jens Risom findet er 1941 einen dänischen Designer, der den Grundstein für die erste eigene Kollektion der Hans G. Knoll Furniture Company legt. Und dann kam Florence. Die junge Architektin studierte gemeinsam mit Eero Saarinen und Charles Eames an der renommierten Cranbrook Academy of Arts in Michigan. Mit ihrem ausserordentlichen Talent beeindruckte sie Designgrössen wie Marcel Breuer, Walter Gropius und Ludwig Mies van der Rohe, der schliesslich ihr Freund und Mentor wurde. 1941 zieht es die junge Architektin nach New York, wo sie im Rahmen eines Projektes auf Hans Knoll trifft. Der Rest ist, wie man so schön sagt, Geschichte.

Nun wäre es aber zu einfach, den Erfolg des Unternehmens lediglich auf Florence gute Kontakte zurückzuführen. Ganz im Sinne der Bauhaus-Philosophie stand für sie der Mensch mit all seinen Bedürfnissen im Vordergrund. Raum und Möbel waren lediglich Träger einer Funktion, die sich letztlich der optimalen Ausführung dieser Bedürfnisse unterzuordnen hatten. Was heute als selbstverständlich gilt, steckte damals noch in den Kinderschuhen und die Idee einer rationalen Raumaufteilung, die mit ihrer Material- und Farbwahl die alltäglichen Bedürfnisse erfüllte, war besonders für den amerikanischen Markt neu.

Nach der Hochzeit mit Hans Knoll im Jahr 1946 wird das Unternehmen zu Knoll Associates und Florence gründet die Planungsabteilung, das zweite wichtige Standbein des Unternehmens. Zur bisherigen Möbelproduktion, die neben exklusiven Entwürfen von Jens Risom auch Teile von Abel Sorenson und Ralph Rapson enthält, kommt ein vollumfänglicher Planungsservice, der die leeren Büroflächen der Nachkriegszeit in moderne Arbeitsplätze verwandelt, wie sie nicht zuletzt auch in der Erfolgsserie «Mad Men» zu sehen sind. Obwohl sie an einer Stelle behauptete, der einzige Ort, den sie dekoriere, sei ihr Haus, schaffte es Florence Knoll immer, Leben und Arbeiten zu einer funktionalen und gleichzeitig ästhetisch komplexen Einheit zu verbinden.

Zurück in die alte Welt

Heute... Es ist heiss in Foligno, einem kleinen Ort in der italienischen Provinz Umbrien, wo sich eine der beiden Produktionsstätten von Knoll Europe, der Europadivision von Knoll International, befindet. Eben habe ich gesehen, wie zwei meiner absoluten Möbelikonen gefertigt werden: Warren Platners «Easy Chair» und Eero Saarinens «Tulip Side Chair». Das Tüpfelchen auf dem i war jedoch, der Näherin beim Zusammenfügen der Einzelteile für das Polster des «Barcelona Chair» von Ludwig Mies van der Rohe über die Schulter zu blicken.

Jetzt sitze ich mit Demetrio Apolloni im Showroom auf dem neuen Sofa «Avio» von Piero Lissoni. Seit 2012 ist Apolloni Präsident von Knoll Europe und bringt von seinen vorherigen Stationen bei Cassina, B&B Italia und Vitra langjährige Erfahrung im Möbelbusiness mit. Er ist charmant, aufgeschlossen und sehr zielstrebig, Charaktereigenschaften, die auch Hans Knoll immer wieder zugeschrieben wurden. «Ziel ist es, den Wert der Marke wieder zu etablieren, wie er in den 1970er-Jahren war. Das heisst, den Kunden zeigen, wer wir sind und wofür wir stehen. Dazu zählt nicht nur der Home-Bereich, der bei uns unter Knoll Studio läuft, sondern auch der Office-Bereich.»

Im Unterschied zu den meisten italienischen Herstellern, die sehr auf ein Produkt bezogen seien, wäre man bei Knoll International stärker auf die Marke als solche bedacht: «Das gibt uns eine ganze Menge Autonomie und ermöglicht es uns, auch mit neuen Designs an das grosse Designerbe anzuknüpfen.» Denn Innovation, so Apolloni, sei auch heute noch möglich, besonders im Office-Bereich. Aber auch in Sachen Wohnmöbel muss sich das Unternehmen mit seiner aktuellen Kollektion nicht verstecken. Mit Piero Lissoni engagierte man einen Designer, der den Minimalismus eines Mies van der Rohe auch im Jahr 2017 noch exakt auf den Punkt bringt: modern, funktional und authentisch. «Piero Lissoni hat das sofort verstanden und verleiht seinen Entwürfen nebst seiner eigenen Handschrift auch eine subtile Note, die mit Materialien wie Stahl, Glas und Marmor an unsere Klassiker der Moderne erinnert.»

Obwohl Florence Knoll mit ihrer klaren Designsprache nach wie vor die Ästhetik des Unternehmens prägt, weiss auch Demetrio Apolloni, dass die Evolution weitergeht: «Es ist wichtig, zu beobachten, was auf dem Markt passiert, nicht nur beim Design, auch bei der Materialität und der Technik – nichts anderes haben Florence und Hans Knoll damals gemacht.» Bei Knoll weiss man, das Leben ist kein Gesamtkunstwerk, sondern ein Gesamtkonzept. «Modern always», wie der Slogan des Unternehmens so treffend sagt und ein Blick auf die Kollektion unumstösslich beweist.


Text: Katrin Montiegel
aus: Raum und Wohnen, Heft Nr. 08/2017

Bezugsquelle:
Knoll International
über: Agentur Einrichter / Marco Lutz
www.knolleurope.com

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