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Besonders, bunt, Bretz

1895 gründete Johann Bretz als sechstes Kind einer Bauernfamilie das Polstermöbelwerk Bretz. Während sich das Unternehmen zunächst auf die Produktion von Matratzen und erst später auf normale Polstermöbel fokussierte, erfuhr es 1991, unter der Leitung in dritter Generation, eine völlige Neuausrichtung.

 
 
Sofa «Croissant», neuster Wurf von Innenarchitektin Pauline Junglas, lässt sich mit einer geringen Sitztiefe von 64 Zentimetern als eher zierlich bezeichnen und passt somit auch in kleine Stadtwohnungen.zoom
Sofa «Croissant», neuster Wurf von Innenarchitektin Pauline Junglas, lässt sich mit einer geringen Sitztiefe von 64 Zentimetern als eher zierlich bezeichnen und passt somit auch in kleine Stadtwohnungen.

«Manchmal stelle ich mich während der Möbelmesse inkognito an den Gang und lausche, was die Passanten spontan von sich geben. Die Meinungen gehen extrem auseinander. Ich erlebe dann live, wie sehr Bretz Möbel doch polarisieren und freue mich, dass wir unseren Job erfüllt haben», sagt Carolin Kutzera, Kreativdirektorin bei Bretz. Ob man sie mag oder nicht mag, ist Geschmackssache, doch eines ist garantiert: Man spricht über sie – die extravaganten, fröhlich-bunten Möbelkreationen von Bretz.

Am Anfang musste sich auch die Designerin, die seit 2009 für den Möbelhersteller kreativ ist, erstmal in die unkonventionelle, nonkonforme Entwurfswelt des Unternehmens einfinden, zu sehr war ihre Designsprache durch Studium und vorherige Jobs minimalistisch geprägt. «Heute kann ich mir zu Hause gar kein graues Sofa mehr vorstellen.» Doch die Möbel des Unternehmens waren nicht immer so aussergewöhnlich, charakterstark und bekannt – denn einige haben es sogar ins Fernsehen geschafft. Ursprünglich hatte Firmengründer Johann Bretz eine Klempnerlehre absolviert, folgte aber, inspiriert von seinen Wanderjahren durch verschiedenste Handwerksbetriebe, seinem Bauchgefühl und entschied sich, auf die Produktion von Matratzen zu setzen. So legte Johann Bretz vor 122 Jahren den Grundstein für die Polstermöbelwerke Bretz, die bis 1939 eine stolze Mitarbeiterzahl von 100 Personen verzeichneten. Von seiner Vision und seinem ungebrochenen Ehrgeiz getrieben, baute Johann Bretz die Firma nach der totalen Zerstörung durch den 2. Weltkrieg wieder auf und auch später, unter seinem nicht weniger ehrgeizigen Sohn Karl-Fritz, fand das Unternehmen nach der Wirtschaftskrise der 1980er-Jahre wieder auf die Beine. Nach all der Kraft und Mühe, die bereits über zwei Generationen in das Familienunternehmen gesteckt wurden, war es Karl-Fritz eine Herzensangelegenheit, seine beiden Söhne ebenfalls in das Unternehmen zu integrieren. Hartmut und Nobert, die beide BWL studierten, hatten allerdings andere Pläne und willigten in die Übernahme des Betriebes erst Ende der 1990er-Jahre ein – unter der Bedingung, dass ihr Vater das Rauchen einstellte.

Die Kollektion von Junglas ermöglicht diverse Ausführungsvarianten wie schlanke Recamiere, Einzelsofa, grosszügige Anbaugruppe, Pouf oder Hocker. zoom
Die Kollektion von Junglas ermöglicht diverse Ausführungsvarianten wie schlanke Recamiere, Einzelsofa, grosszügige Anbaugruppe, Pouf oder Hocker. 

Richtungswechsel
Mit der Übernahme in dritter Generation begann ein neues Kapitel in der Firmengeschichte, denn die beiden Brüder, die sich nicht mit den Sofakreationen ihres Vaters identifizieren konnten, schlugen eine ganz andere Richtung ein, der sie bis heute treu geblieben sind. Ihre Sofakreationen sind frech, anders, unkonventionell, durchbrechen die Norm und zeugen vor allem von einem: Charakterstärke. Daher lautet der Claim von Bretz «True Characters». «Bei uns geht es um echte Charaktere für echte Charaktere. Wir wollen Phantasie, Mut, Vision und Kreativität vereinen und Menschen, die sich nach etwas Andersartigem sehnen, glücklich machen», erklärt Carolin Kutzera. Beide Brüder duellieren sich seit ihrer Neuausrichtung stetig in Sachen Kreativität – auf diese Weise entstehen immer wieder farbenfrohe Möbelstücke, die der oftmals zurückhaltenden Farbgebung der breiten Masse trotzen. Sie spiegeln das pralle Leben wider und bereichern jeden Raum mit einer grenzenlosen Kreativität. Während sich das Erscheinungsbild der Möbel seit der Firmengründung grundlegend geändert hat, ist der Kern seinem Ursprung stets treu geblieben: Vom Möbelstück bis hin zum kleinsten Accessoire wird jedes Stück in der Manufaktur im rheinhessischen Gensingen gefertigt. Die langjährige Erfahrung in der Polstermöbelherstellung ermöglicht die Umsetzung extremer Formen, zu denen beispielsweise seit zwölf Jahren kein rechter Winkel mehr gehört. Im Mittelpunkt steht die Polsterung der Möbel, die hohe Ansprüche wie eine gute Rückstellkraft, Dauerelastizität sowie anatomischen Sitzkomfort erfüllen muss.

Neue Herbstmode: Die 5-eckige Sitzgruppe «Matilda» befindet sich mit ihrem neuen Inka-Look im Spannungsfeld zwischen warmen und kälteren Farbtönen.zoom
Neue Herbstmode: Die 5-eckige Sitzgruppe «Matilda» befindet sich mit ihrem neuen Inka-Look im Spannungsfeld zwischen warmen und kälteren Farbtönen.
Produktdesignerin Dagmar Marsetz hat mit ihrem neusten Modell «Filousof» ein Modulsofa-System mit Rückenkissen-Wiese geschaffen, das sich dank ausgefeiltem Federkernsystem so sitzen lässt, wie sich ein Boxspringbett liegt.zoom
Produktdesignerin Dagmar Marsetz hat mit ihrem neusten Modell «Filousof» ein Modulsofa-System mit Rückenkissen-Wiese geschaffen, das sich dank ausgefeiltem Federkernsystem so sitzen lässt, wie sich ein Boxspringbett liegt.
Mit der konsequenten Fortführung ihres Sofaentwurfs «Ohlinda» schuf Creative Director Carolin Kutzera das gleichnamige Bett, ein luftiges Boxspringsystem mit überdimensionierten Kissen als Rückenlehnen.zoom
Mit der konsequenten Fortführung ihres Sofaentwurfs «Ohlinda» schuf Creative Director Carolin Kutzera das gleichnamige Bett, ein luftiges Boxspringsystem mit überdimensionierten Kissen als Rückenlehnen.
 

Wer eine gute Idee hat, kommt zum Zug
Doch nicht nur die beiden Brüder Hartmut und Norbert lassen bei der Kreation der Möbel ihrer Kreativität freien Lauf. Seit Jahren gehen aus der Zusammenarbeit mit einem bemerkenswert jungen Designteam die schönsten und aussergewöhnlichsten Entwürfe hervor, beeinflusst von der Kreativität aller Beteiligten. «Junge Designer bringen enorm viel Energie und Vision ins Team. Oft wird der Ist-Zustand auch kräftig in Frage gestellt, was uns gefällt. Denn nur so kann etwas wirklich Neues entstehen», meint Designerin Carolin Kutzera. «Die Hierarchie im Unternehmen ist sehr flach, wer eine gute Idee hat, kommt zum Zug.» Und so gestaltet das Kreativ-Team, das aktuell aus Innenarchitektin Pauline Junglas, Produktdesignerin Dagmar Marsetz und Kreativdirektorin Carolin Kutzera besteht, Möbel, die Charakter haben, Erinnerungen wecken oder einfach nur Glücksgefühle auslösen.

Das junge Kreativ-Team des Möbelherstellers besteht aus Produktdesignerin Dagmar Marsetz, Creative Director Carolin Kutzera und Innenarchitektin Pauline Junglas (v.l.).zoom
Das junge Kreativ-Team des Möbelherstellers besteht aus Produktdesignerin Dagmar Marsetz, Creative Director Carolin Kutzera und Innenarchitektin Pauline Junglas (v.l.).

«Zwar bringen mehr Ideen erstmal Energie und Chaos mit sich und es erfordert Energie, das Chaos zu kanalisieren, aber am Ende wachsen wir an unseren Ideen, dem Entwicklungsprozess, der Teamarbeit und treiben das Unternehmen weiter voran.» Mit Möbeln, die eine Mischung aus Trend, Intuition und Mut vereinen, präsentiert sich das Unternehmen charakterstark und ist damit auf Erfolgskurs, was dem Möbelhersteller 2017 die Auszeichnung mit dem German Brand Award Gold in der Kategorie Interior & Living einbrachte. Wer weiss, vielleicht sieht das Unternehmen irgendwann noch einmal eine neue Richtung vor – Carolin Kutzera hätte Freude daran, würde sie doch gerne einmal Outdoor-Möbel für Bretz entwerfen...

Das Lieblingsmöbel, das auch bei Carolin Kutzera im Wohnzimmer steht und von Hartmut und Nobert Bretz designet wurde: Sofa «Napali». Mit seinem fröhlichen Erscheinungsbild zaubert es eine Prise Sommer in jeden Raum.zoom
Das Lieblingsmöbel, das auch bei Carolin Kutzera im Wohnzimmer steht und von Hartmut und Nobert Bretz designet wurde: Sofa «Napali». Mit seinem fröhlichen Erscheinungsbild zaubert es eine Prise Sommer in jeden Raum.
Jeder Handwerker bringt seine eigene Handschrift in die Fertigung der Möbel ein. Unterschiede in der Polsterung, kleine Abweichungen in den Massen und optischen Details sind typisch für Bretz Möbel, die allesamt das Gütesiegel «100% made in Germany» tragen.zoom
Jeder Handwerker bringt seine eigene Handschrift in die Fertigung der Möbel ein. Unterschiede in der Polsterung, kleine Abweichungen in den Massen und optischen Details sind typisch für Bretz Möbel, die allesamt das Gütesiegel «100% made in Germany» tragen.
Hartmut (li.) und Norbert Bretz, die das Unternehmen seit Ende der 1990er-Jahre in dritter Generation führen, schlugen mit ihren extravaganten Möbelkreationen einen völlig neuen Weg ein.zoom
Hartmut (li.) und Norbert Bretz, die das Unternehmen seit Ende der 1990er-Jahre in dritter Generation führen, schlugen mit ihren extravaganten Möbelkreationen einen völlig neuen Weg ein.
 

Text: Silja Cammarata
aus: Raum und Wohnen, Heft Nr. 12/17-01/18

Bezugsquelle:
Bretz
www.bretz.de

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