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Hallenbad-Betriebsleiter: Schwimmhalle im Trockenen

Matthias Rieder, Hallenbad-Betriebsleiter

Einmal im Jahr schliessen wir das Hallenbad City für eine zweiwöchige Revision. Unser Bad befindet sich mitten in der Stadt Zürich, wurde 1941 eröffnet und war lange Zeit das einzige Hallenbad in der Schweiz mit einem 50-Meter-Becken. Für die Unterhaltsarbeiten leeren wir das grosse Schwimmerbecken, das Nichtschwimmerbecken sowie das Becken mit dem verstellbaren Boden bis auf den letzten Tropfen. Wir beginnen damit am letzten Badetag vor der Revision, gleich nachdem der letzte Gast um 22 Uhr die Anlage verlassen hat. Ab diesem Zeitpunkt dauert es rund zweieinhalb Tage, bis alle drei Bassins leer sind. Allein das grosse Schwimmerbecken fasst 2000 Kubikmeter Wasser. Man darf die Abläufe nicht allzu schnell voll öffnen, da die Kanalisation nicht zu viel Flüssigkeit auf einmal schlucken kann. Sonst würde das Wasser wieder hinaufgedrückt; im dümmsten Fall in der Toilette. Bevor wir das Badewasser in die Kanalisation abfliessen lassen, muss die Chlorkonzentration gesenkt werden. Eine zu hohe Konzentration könnte die empfindlichen Prozesse in der Kläranlage stören. Im Badewasser wirkt Chlor wie ein Desinfektionsmittel. Es sorgt dafür, dass Viren und Bakterien unschädlich gemacht werden und sich die Gäste nicht mit Krankheitserregern anstecken.
Das 50-Meter-Becken mit seiner Tiefe von vier Metern sieht besonders imposant aus, wenn es trockengelegt ist. In der Halle ist es tagsüber etwa 35 Grad warm. Zusätzlich zur Heizung erwärmt die Sonne den Raum mit dem Glasdach und den Glasfronten. Auch während der Revisionsarbeiten kommt man darum ziemlich ins Schwitzen. In dieser Zeit sind im Hallenbad neben acht bis zehn Bademeisterinnen und Bademeistern zahlreiche Arbeiter verschiedener Firmen beschäftigt. Darunter sind Plattenleger und Fugenspezialisten, die Risse im Boden ausbessern und Fugen ersetzen. Die Umgebungswärme hilft, dass die neuen Fugen schneller trocknen. Ausbesserungen in den öffentlichen Bereichen, in der Schwimmhalle und in den Garderoben, haben Priorität. Aber auch im Hintergrund werden technische Mängel behoben, und alle Gerätschaften werden einer periodischen Prüfung unterzogen. Die jährliche Revision bildet eine Ergänzung zu den vielen Unterhalts- und Instand-stellungsarbeiten, die wir das Jahr durch regelmässig durchführen. Dazu gehört etwa das Reinigen der verschiedenen Filter, die eine einwandfreie Hygiene des Badewassers garantieren. In den Vorfiltern finden wir Dinge wie Heftpflaster oder Haargummis, und einmal haben wir einen Ehering aus einem Abfluss gefischt. Mit diesem Fund konnten wir dem Schwimmer, der ihn verloren hatte, eine grosse Freude machen. Unser Hallenbad ist mit durchschnittlich 1200 Gästen täglich sehr stark frequentiert. Manche Besucherinnen und Besucher kommen einmal pro Tag, andere sogar mehrmals, um ihre Längen zu schwimmen. Es gibt Gäste, die ihre Badehose im Bad deponieren und zusammen mit dem Tuch von uns waschen lassen. Während des Normalbetriebes ist der Lärmpegel in der Schwimmhalle hoch, auch durch das ständige Rauschen des Wassers. Die permanente Geräuschkulisse und das stetige Kommen und Gehen empfinde ich manchmal als anstrengend. Gleichzeitig tragen wir Bademeister eine grosse Verantwortung für die Sicherheit der Besucher. Wir sind mit unserer ganzen Aufmerksamkeit gefordert, um allfällige Unfälle und Konflikte zu verhindern. Da kommt mir die Abwechslung während der Revision gelegen. Die Atmosphäre ist ruhiger, und ich kann mich auf mein Team und auf die Arbeiten im Hintergrund konzentrieren. Allerdings stehen wir alle unter hohem Zeitdruck. Pünktlich nach zwei Wochen müssen die drei Becken wieder bis oben mit warmem Wasser gefüllt sein. Am ersten Tag nach der Revision, morgens um 6 Uhr, stehen die ersten Stammgäste vor der Tür.


Text: Rebekka Haefeli
Foto: Gaëtan Bally
aus: Raum und Wohnen, Heft Nr. 12/17•1/18

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Hallenbad-Betriebsleiter

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