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Reisebloggerin: Traumziele im Fokus

Anita Brechbühl: Reisebloggerin

«Ich würde gerne einmal mehr Zeit haben, um Russland länger zu bereiscn, den Baikalsee und Sibirien.»

Auf meinem Blog travelita.ch teile ich meine Reiseerlebnisse mit Leuten, die auf der Suche nach Ideen sind, was sie unternehmen könnten. Ich bin schon immer gerne gereist und habe diese Begeisterung als Kind von den Eltern mitbekommen. Sie verbrachten mit mir und meinen Geschwistern hin und wieder separate Ferien. Während meine Mutter mehr für die Strandferien zuständig war, zog es meinen Vater eher in urbane Gefilde – so wurde mein Interesse an Städtereisen geweckt. Als Primarschülerin bekam ich zu Weihnachten meine erste, damals noch analoge Fotokamera geschenkt. Wenn wir von einer Reise zurückgekehrt waren, steckte ich jeweils viel Energie in die sorgfältige Gestaltung eines Albums mit Bildern und Text. Es macht mir immer noch Freude, diese Bücher zu betrachten und Erinnerungen aufleben zu lassen.
Heute fotografieren die meisten Leute digital, und es geht wohl vielen gleich: Wenn man aus den Ferien zurück ist und die Reise eine gewisse Zeit hinter einem liegt, hat man die spannendsten Einzelheiten vergessen. Ich fand, das sei schade und begann 2012 mit dem Reiseblog. Inzwischen habe ich mir in den sozialen Medien eine ziemlich grosse Community aufgebaut, die mir auf Twitter, Instagram oder Facebook folgt und vor allem regelmässig meine Blogbeiträge liest. Ich lasse die Leserinnen und Leser an meinen Erlebnissen teilhaben und hoffe, sie damit zu eigenen Unternehmungen inspirieren zu können. Daraus ergibt sich hin und wieder ein angeregter Austausch: Leute stellen Detailfragen zu Destinationen, die sie besuchen möchten und die ich bereits bereist habe. Es ist auch schon vorgekommen, dass ich an einem Sonntagmorgen einen Wanderbericht aus der Schweiz veröffentlicht habe und mir jemand noch vor dem Mittag ein Foto von unterwegs geschickt hat. Wenn ich meine Leserinnen und Leser dazu motivieren kann, sofort die Wanderschuhe zu schnüren, freut mich das besonders.
Ich bin fast jedes Wochenende unterwegs. Meist ist mein Freund Nicolas Glauser mit dabei, der ebenfalls fotografiert und Bilder für meinen Blog beisteuert. Obwohl wir bereits viele Orte auf der Welt besucht haben, gibt es noch immer Traumziele: La Réunion gehört dazu, und ich würde gerne einmal mehr Zeit haben, um Russland länger zu bereisen, den Baikalsee und Sibirien. Im vergangenen Jahr waren wir sechs Monate in Patagonien, Peru, Bolivien, Hawaii und Japan unterwegs. Von China fuhren wir mit dem Zug über die Seidenstrasse bis nach Usbekistan. Auf dieser Reise hatten wir sehr schöne Erlebnisse, machten zuweilen aber auch erschütternde Erfahrungen mit Angehörigen von Völkern, die in Unterdrückung leben. Umso mehr schätzt man danach die eigene Freiheit.
Diese sechsmonatige Reise war eine Ausnahme. Üblicherweise bin ich ein bis zwei Mal pro Jahr während zehn bis 14 Tagen unterwegs. Dazwischen bereise ich vor allem Städte und mache Wochenend- oder Tagesausflüge in der Schweiz. Da ich meinen Blog nicht vollberuflich betreue, steht und fällt alles mit der Planung. Ich arbeite 80 Prozent in einem Büro für Raum- und Verkehrsplanung in Zürich, was ich nicht missen möchte. Der Nachteil ist, dass ich nicht grenzenlos Zeit habe zum Recherchieren und zum Verreisen. Der Vorteil liegt darin, dass ich ein geregeltes Einkommen und damit mehr Freiheiten besitze: Ich mache nur das, was mir persönlich Spass macht. Teilweise gehe ich bezahlte Kooperationen ein oder werde von einem Hotel eingeladen. Es ist mir jedoch wichtig, solche Partnerschaften offenzulegen und auf dem Blog entsprechend zu deklarieren. Daraus zu schliessen, dass ich am liebsten Luxusreisen mit Übernachtungen in Fünfsternehotels mag, wäre falsch. Ich übernachte bei einem Trekking auch sehr gerne im Zelt.


Text: Rebekka Haefeli
Foto: Gaëtan Bally
aus: Raum und Wohnen, Heft Nr. 2/19

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