DAS SCHWEIZER MAGAZIN FÜR ARCHITEKTUR, WOHNEN UND DESIGN

Hinter dicken Mauern

Wohnen in einem Hochbunker? Klingt irgendwie bedrückend. Dass es sich durchaus lohnt, der besonderen Architektur eine Chance zu geben, beweist ein von Ruth Kramer und Thomas Schacht eingerichtetes Appartement in Hamburg.

Der Bunker wurde 1939 errichtet und gut 80 Jahre später als Wohngebäude umfunktioniert. Im Treppenhaus lässt sich die massive Bauweise am ehesten erahnen. Hier sieht man bis ins fünfte Obergeschoss die rohe Struktur der Sichtbetonwände.
Der Bunker wurde 1939 errichtet und gut 80 Jahre später als Wohngebäude umfunktioniert. Im Treppenhaus lässt sich die massive Bauweise am ehesten erahnen. Hier sieht man bis ins fünfte Obergeschoss die rohe Struktur der Sichtbetonwände.
Im Essbereich trifft man auf Arne Jacobsens «Swan Chairs» und auf den «Tulip Table» von Eero Saarinen. Die Pendelleuchte ist von Lasvit, die Tischleuchte von Louis Poulsen.
Im Essbereich trifft man auf Arne Jacobsens «Swan Chairs» und auf den «Tulip Table» von Eero Saarinen. Die Pendelleuchte ist von Lasvit, die Tischleuchte von Louis Poulsen.
Möbel im Midcentury-Style setzen den Betonwänden viel Wohnlichkeit entgegen. Sessel «Lady 720» von Marco Zanuso für Cassina, Bezugsstoff von Dedar, Sofa «Stay» von Space Copenhagen für Gubi, Couchtisch von Isamu Noguchi für Vitra, kleine Stehleuchte «Lektor Floor» von Rubn.
Möbel im Midcentury-Style setzen den Betonwänden viel Wohnlichkeit entgegen. Sessel «Lady 720» von Marco Zanuso für Cassina, Bezugsstoff von Dedar, Sofa «Stay» von Space Copenhagen für Gubi, Couchtisch von Isamu Noguchi für Vitra, kleine Stehleuchte «Lektor Floor» von Rubn.
Selbst das Schlafzimmer gibt sich offen und ist lediglich durch Glastüren vom restlichen Wohnraum abgetrennt. Bett, Auping. Tischleuchte «Cestita» von Miguel Milá für Santa & Cole.
Selbst das Schlafzimmer gibt sich offen und ist lediglich durch Glastüren vom restlichen Wohnraum abgetrennt. Bett, Auping. Tischleuchte «Cestita» von Miguel Milá für Santa & Cole.

Hamburg Ottensen war einst ein grosser Industriestandort. Heute gehört der Stadtteil im Bezirk Altona zu den attraktivsten Wohngegenden der Hansestadt. Viele junge Leute zieht es hierher. Familien geniessen das nahe Elbufer, Kreative die lebendige Kulturszene – das Viertel entfaltet seinen Charme irgendwo zwischen schönen Altbauten und dem Betonklotz des Altonaer Bahnhofsgebäudes. Mittendrin, in der Bülowstrasse, steht ein originaler Hochbunker aus dem Zweiten Weltkrieg. Viele Jahre interessierte sich niemand für das raue Gebäude, bis es zwei junge Immobilienentwickler auf der Suche nach einem geeigneten Projekt entdeckten. Seine Neuerfindung als Wohnhaus begann 2013. Aufgrund der Beschaffenheit des Bunkers und der Tatsache, dass er unter Denkmalschutz steht, dauerte es ganze vier Jahre, bis die Kernsanierung abgeschlossen war und erste BewohnerInnen einziehen konnten.

Zwei von ihnen waren die Schweizerin Ruth Kramer und der Däne Thomas Schacht. Eigentlich leben die Interiordesignerin und der Kommunikationsexperte in Vals und betreiben dort die Pension «Brücke 49» und den kleinen Conceptstore «Brücke Butik». Die Wohnung im fünften und obersten Stock des Hamburger Bunkers fand das Paar auf der Suche nach einer Zweitwohnung im Norden. «Wir waren die ersten, die an das Objekt glaubten», erinnert sich Ruth Kramer. «Das Wasser stand auf dem Boden und alles war vollgeschmiert mit Gaffittis: Der Bunker war in miserablem Zustand und es brauchte viel Fantasie, sich hier Wohnräume vorzustellen.» Die Sanierung fand unter den gestrengen Augen der Denkmalbehörde statt, die unter anderem verfügte, die maroden Holzelemente im Treppenhaus zu erhalten oder den ehemaligen Generator im Keller. Doch wer die Pension von Ruth Kramer und Thomas Schacht in Vals kennt, weiss, dass es dem Paar liegt, alten, von Gebrauchsspuren gekennzeichneten Gebäuden zu neuer Schönheit zu verhelfen. Ihr Stil ist skandinavisch geprägt; das Alte wird wo möglich bewahrt und sein ursprünglicher Glanz wiederhergestellt. So auch im Bunker-Appartement in Hamburg: Als einzige Eigentümer im gesamten Haus erlaubten sie dem Appartement die Zeichen seiner früheren Nutzung auch weiterhin zu tragen und liessen die massiven Betonwände roh und unverputzt.

Weiter Einblicke in das Bunker-Appartement gibt es im Magazin RAUM UND WOHNEN. Die Ausgabe 11/2109 lässt sich online bestellen.

Text und Fotos: Jesper Ray / House of Pictures
Bearbeitung: Kirsten Höttermann
aus: Raum und Wohnen, Heft Nr. 11/2019

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