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Inklusionshotel mit Seeblick

In der deutschen Stadt Eutin entsteht ein Hotel mit Seeblick. Für den Bürgermeister ist das Projekt «ein Glücksfall für die Stadt». Der Bauherr hebt hervor, wie «schön und wertvoll» das Haus wird. Dort werden Menschen mit und ohne Behinderungen zu Hause sein: sowohl als Gast als auch als Gastgeber.

Die Computergrafik zeigt, wie sich das Inklusinshotel nach der Fertigstellung in die Umgebung einfügt. Immer zuvorderst im Blick: die Barrierefreiheit. Bauherr ist das gemeinnützige Unternehmen «Die Ostholsteiner».
Die Computergrafik zeigt, wie sich das Inklusinshotel nach der Fertigstellung in die Umgebung einfügt. Immer zuvorderst im Blick: die Barrierefreiheit. Bauherr ist das gemeinnützige Unternehmen «Die Ostholsteiner».
Holz, Beton und Backstein geben im Inklusinshotel eine gute Orientierung.
Holz, Beton und Backstein geben im Inklusinshotel eine gute Orientierung.
Von den Zimmern gibt es einen schönen Ausblick auf den See und das Eutiner Schloss.
Von den Zimmern gibt es einen schönen Ausblick auf den See und das Eutiner Schloss.

Bei dem Begriff Inklusionshotel wird landläufig an ein Hotel für Gäste mit einer Behinderung gedacht – ein Trugschluss. «Selbstverständlich wird das Hotel barrierefrei sein und es wird vier Zimmer speziell für Rollstuhlfahrer geben», sagt Reinhard E. Sohns, Geschäftsführer des gemeinnützigen Unternehmens «Die Ostholsteiner». Der Bauherr erläutert: Ein Inklusionshotel sei es aber vor allem, weil hier besonders viele Menschen mit Beeinträchtigungen arbeiten werden – mindestens 40 Prozent der 25 Beschäftigten werden einen Schwerbehinderten-Ausweis haben.

Dem Besucher dürfte es nur in wenigen Fällen auffallen, dass das Haus im holsteinischen Eutin auf die Bedürfnisse von behinderten Mitarbeitern besonders eingeht. Ein Beispiel ist die Rezeptionstheke. Sie ist teilweise so niedrig, dass auch Rollstuhlfahrer den Gast empfangen können. Das Architekturbüro Wuttke & Ringhof aus Kopenhagen hat den Bau geplant. Nun begleitet das dänisch-deutsche Architektenpaar Beatrix Wuttke und Thomas Ringhof und ihre Mitarbeiter die Fertigstellung. Der «skandinavisch geprägte Entwurf» habe gleichzeitig «Sachlichkeit und Wärme», sagt Bauherr Sohns: «Das Haus fühlt sich an wie ein gewöhnliches, wenn auch besonders schönes und wertvolles Hotel.»

Ruhe und Understatement
Dunkle Klinker und Balkone aus Holz prägen die Fassaden der beiden Gebäudekörper. Das Hotel ist nur drei- bis viergeschossig, von den Bäumen im umgebenden Seepark wird es überragt: Das Haus strahlt Ruhe und Understatement aus. Die skulpturale Dominanz von Bauten ist nicht das Anliegen von Wuttke & Ringhof. «Die Kunst ist es, Gebäude zu schaffen, die für sich erstaunlich sind, ohne die Umgebung zu beherrschen, sondern sich behutsam einfügen», sagt Beatrix Wuttke. «In Eutin war unsere Ausgangsfrage: Wie können wir die Schönheit und Atmosphäre des Ortes erhalten und doch etwas Neues schaffen?»

Der Standort liegt an der Promenade am Grossen Eutiner See, unweit der Altstadt mit ihren klassizistischen Fassaden. Der Blick geht über das stille Wasser hinüber zum Schloss Eutin: Roter Backstein, Türme mit Kupferdächern, von Wassergräben umsäumt, die Keimzelle und der Stolz der Stadt. «Es liegt eine grosse Milde über dieser Landschaft», sagt Thomas Ringhof. «Diesen Eindruck wollten wir einbeziehen.» Deshalb machen die Architekten Aussicht und Durchsicht zu zentralen Prinzipien des neuen Hotels. «Wie auf einer Theaterbühne gibt es immer wieder Vordergrund, Mittelgrund, Hintergrund», erklärt Ringhof: Aus den Zimmern führt der Blick durch grosse Fenster auf Balkone, die mit Holzstützen als Loggias gestaltet werden. Dahinter öffnet sich der Blick auf den See und das Schloss. «So schaffen wir die Tiefe im Erlebnis von Raum und Landschaft.»

Skandinavische Architektur
Vom Foyer blickt man ins Restaurant und durch die Fensterfront zur überdachten Sommerterrasse, die sich zu einem besonderen Anziehungspunkt für Eutin entwickeln dürfte: Bislang gibt es keine Möglichkeit, am See zu sitzen. Möglichst viel Licht ins Gebäude zu holen und die Verbindung zwischen Innen- und Aussenraum sind häufig die Merkmale moderner Architektur, besonders in Skandinavien. Aber auch traditionelle Kennzeichen der nordischen Bautradition finden sich im Haus: «Der Mensch und seine Bedürfnisse stehen im Mittelpunkt. Bei allem, was wir planen, überlegen wir: Wie fühlt man sich in diesem Raum?», sagt Thomas Ringhof.

Paneele aus heimischen Nadelhölzern gliedern im Wechsel zu Betonoberflächen, Ziegelmauerwerk und farbig geputzte Flächen die Wände. Im Foyer schlendern die Besucher nicht über Teppichböden, sondern über im Fischgrätmuster verlegten Klinkerboden bis zur Lounge mit dem offenen Kamin, der ein zentrales Gestaltungselement des Gebäudes ist. Auch die Fassade besteht aus einem hochwertigen rotbunten Klinker – eine Reminiszenz an das Eutiner Schloss und an die Region. «Das Hotel passt mit seinen Materialien Holz, Glas und Backstein sehr gut in die Umgebung und überhaupt zu Norddeutschland», sagt der Eutiner Bürgermeister Carsten Behnk, der als Mitglied im Auswahlgremium für den Entwurf aus Dänemark stimmte: «Was skandinavisches Design ausmacht, ist wohl, dass es innovativ und modern wirkt und gleichzeitig den Bogen schlägt zu einer gemütlichen Atmosphäre. Man hat das Gefühl von Offenheit und Weite, gleichzeitig fühlt man sich heimisch und aufgehoben.»

Architekturbüro
Wuttke & Ringhof

Text: PD

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