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Sattelfest

Das Beste aus Haute Couture, Prêt-à-Porter und Luxus – in Paris liest man die berühmtesten Namen. Einer davon ist Hermès. Die traditionsreiche Luxusmarke mit Stammsitz in der Pariser Rue du Faubourg Saint-Honoré Nr. 24 ist bekannt für edle Lederwaren. Aber nicht nur.

Hermès gehört wohl mit zu den Marken, welche die unterschiedlichsten Assoziationen in uns wecken. Während die einen an edle Taschen und Kleinlederwaren denken, haben andere den Flacon ihres Lieblingsparfums vor Augen, wieder andere ihren edlen Seidenschal. Vermutlich bringen jedoch die wenigsten ein Sofa oder einen Tisch mit der weltbekannten Marke in Verbindung. Dabei ist die Bereicherung der Möbelbranche nur ein logischer Schritt in der Entwicklung eines Unternehmens, das die Kunstfertigkeit und das Handwerk mit edelsten Materialien, allen voran Leder, schon seit sechs Generationen beherrscht. Denn die 183-jährige Firmengeschichte des traditionsreichen Lederwarenherstellers reicht bis ins Jahr 1837 zurück. 1801 im deutschen Krefeld geboren und aufgewachsen, begann Thierry Hermès in der Stadt eine Sattlerlehre, in die seine Familie damals aufgrund ihres protestantischen Glaubens ins Exil geflüchtet war. Nach seiner Heirat mit der Französin Christine Pierrart zog er nach Pont-Audemer, nordwestlich von Paris, wo er seinen Beruf als Sattler ausübte.

Die Kollektion Équipages d’Hermès basiert auf der einfachen Idee, jedem Möbelstück einen Nutzen zuzuschreiben. Darunter der mit Leder bezogene Hocker «Bouchon» oder der Schreibtisch «Attelage» aus Eichenholz und Leder, der nach Belieben angepasst werden kann.
Die Kollektion Équipages d’Hermès basiert auf der einfachen Idee, jedem Möbelstück einen Nutzen zuzuschreiben. Darunter der mit Leder bezogene Hocker «Bouchon» oder der Schreibtisch «Attelage» aus Eichenholz und Leder, der nach Belieben angepasst werden kann.

Mit 36 Jahren eröffnete er dann sein erstes Geschäft und fertigte fortan hochwertiges Pferde-Geschirr, Zaumzeug und Sättel. Nicht zuletzt das Firmenlogo, das ein Kutschengespann zeigt, wird immer an den Ursprung der Marke Hermès erinnern, die bis heute fest mit dem Pferdesport verwurzelt ist. Doch es blieb nicht nur bei der Einflussnahme auf diese Branche: 1878 übernahm Thierrys Sohn, Charles-Émile Hermès, die Leitung des Geschäfts und erweiterte das Sortiment um hochpreisige Koffer und Ledertaschen. Dies war auch der Tatsache geschuldet, dass Eisenbahn und Auto mit der Zeit die Pferdekutsche von den Strassen verdrängten. Im Jahre 1880 wechselte das Unternehmen in die elegante Pariser Rue du Faubourg Saint-Honoré, den heutigen Stammsitz.

Spätestens mit der ersten Handtasche, die in dritter Generation unter Émile Maurice in den 1920er-Jahren eingeführt wurde, sprachen sich die hervorragende handwerkliche Bearbeitung, die luxuriösen Materialien und die lange Haltbarkeit der Produkte herum und machten die Marke in ganz Europa bekannt. Mit jedem Generationenwechsel wurde das Portfolio erweitert, es umfasst neben den bekannten Lederwaren heute auch exklusive Mode, Uhren, Accessoires und Schmuck, um nur einige zu nennen. Mittlerweile hat Pierre-Alexis Dumas als leitendes Familienmitglied in sechster Generation und Creative Director des Unternehmens die Designs aller Produktsparten im Blick – doch die künstlerische Leitung der Kollektion Hermès Maison, zu welcher auch Möbel zählen, vertraute er Architektin Charlotte Macaux Perelman und dem Kunstkurator und Verleger Alexis Fabry an. Ob interne oder externe DesignerInnen wie Barber & Osgerby, Tomas Alonso, Nathalie du Pasquier, Gianpaolo Pagni oder Jan Bajtlik, mit denen Hermès an seinen hochwertigen Objekten arbeitet – alle stellen ihr feines Gespür für eine gekonnte Balance aus Innovation und Tradition unter Beweis. Gefertigt werden die langlebigen Möbel ganz im Sinne der Nachhaltigkeit, möglichst dort, wo das Know-how beheimatet ist und die Materialien herkommen; ein Grossteil der Möbel in Italien, Lederobjekte in Frankreich.

Die künstlerische Leitung der Kollektion Hermès Maison, zu welcher auch Möbel zählen, unterliegt Architektin Charlotte Macaux Perelman und dem Kunstkurator und Verleger Alexis Fabry.
Die künstlerische Leitung der Kollektion Hermès Maison, zu welcher auch Möbel zählen, unterliegt Architektin Charlotte Macaux Perelman und dem Kunstkurator und Verleger Alexis Fabry.
Zum umfangreichen Sortiment der Luxusmarke, die bereits seit sechs Generationen in Familienhand liegt, zählen auch Polstermöbel, wie der Sessel «Sellier». Die Sitz- und Rückenpolster aus geflammtem Gewebe in Zimt und Jungstierleder in Rehbraun werden umrahmt von einer Struktur aus Canaletto-Nussbaumholz mit Cannage-Paravent.
Zum umfangreichen Sortiment der Luxusmarke, die bereits seit sechs Generationen in Familienhand liegt, zählen auch Polstermöbel, wie der Sessel «Sellier». Die Sitz- und Rückenpolster aus geflammtem Gewebe in Zimt und Jungstierleder in Rehbraun werden umrahmt von einer Struktur aus Canaletto-Nussbaumholz mit Cannage-Paravent.
Als gelernter Sattler gründete Thierry Hermès das Unternehmen im Jahr 1837 in Paris. Bis heute ist Hermès bekannt für die kunstvolle Verarbeitung hochwertigen Leders, die vorwiegend in Frankreich stattfindet.
Als gelernter Sattler gründete Thierry Hermès das Unternehmen im Jahr 1837 in Paris. Bis heute ist Hermès bekannt für die kunstvolle Verarbeitung hochwertigen Leders, die vorwiegend in Frankreich stattfindet.

Grundsätzlich werden nur die Materialien verwendet, die auch zur Geschichte und zur handwerklichen Identität der Marke passen. Leder ist und bleibt immer ein ganz grosses Thema, auch Holz und lackiertes Horn sind ein fixer Bestandteil der Designs. Bei der Art der Möbel kennt das Familienunternehmen kaum Grenzen, Polstermöbel zählen ebenso zum Sortiment wie Schreibtisch, Stuhl, Tisch oder Servierwagen. Jährlich kommt eine neue Kollektion hinzu, in der jeweils ein anderer Aspekt des kreativen Prozesses hervorgehoben wird. In diesem Jahr sind es die Rohmaterialien, in deren Verarbeitung Hermès seit nunmehr 183 Jahren so sattelfest ist.

HERMES.COM

Text: Silja Cammarata
aus: Raum und Wohnen, Heft Nr. 4/2020

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