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Unter einem Dach

Sie zählen mit ihren langlebigen, funktionalen und zeitlosen Möbeln zu den bekanntesten dänischen Herstellern. Seit Herbst 2020 gehört Erik Jørgensen zum Unternehmen Fredericia Furniture, wodurch sich beide Marken in jeder Hinsicht ergänzen.

Fest verwurzelt mit dem dänischen Designerbe, sind die Möbel auf Ästhetik, Funktonalität und Langlebigkeit ausgerichtet: Sofa «Calmo», «Spanish Chair», Beistelltisch «Pal», Couchtisch «Piloti» von Fredericia.
Fest verwurzelt mit dem dänischen Designerbe, sind die Möbel auf Ästhetik, Funktonalität und Langlebigkeit ausgerichtet: Sofa «Calmo», «Spanish Chair», Beistelltisch «Pal», Couchtisch «Piloti» von Fredericia.

Unter einem Dach
«Es ist von grosser Bedeutung, dass die Dinge, die wir kaufen und mit denen wir leben, nicht geändert werden müssen, sondern mit Würde und Charme alt werden können», erklärte Andreas Graversen einmal. Ein Grundgedanke, den der Unternehmer ab dem Jahr 1955 zusammen mit Designer Børge Mogensen mit voller Überzeugung über viele Jahre umsetzte: Mit langlebigen, funktionalen und zeitlosen Holz- und Ledermöbeln. So wurde die einstige, 1911 gegründete Stuhlfabrik Fredericia in der Möbelbranche bald weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Und auch Andreas` Sohn Thomas, der ab den 1980er-Jahren stärker in das Familienunternehmen involviert wurde, baute den guten Ruf der Marke weiter aus. Er, der selbst eine Ausbildung in der bedeutenden dänischen Möbelgalerie «Den Permanente» genossen hatte, forcierte die Zusammenarbeit mit weiteren namhaften DesignerInnen, allen voran Nanna Ditzel, auch bekannt als «Königin des dänischen Designs». Ganz nach dem Motto «Nichts ist unmöglich», entstanden so Möbel wie die Stuhlkollektion Trinidad, die für Aufsehen und Erfolg sorgte. Im selben Jahr, in dem Fredericia und Nanna Ditzel Dänemarks höchste Designauszeichnung, den ID-Preis für Industriedesign, erhielten, übernahm Thomas die Leitung der Fabrik von seinem Vater Andreas – 1955. Dass sich der heutige Firmeninhaber Thomas Graversen bei der Wahl seiner DesignerInnen auf dem richtigen Weg befand, zeigte sich schon im Jahr 1998: Der «Gallery Stool» von Hans Sandgren Jakobsen, ein skulpturaler, wenn auch einfacher Hocker aus Sperrholz, wurde mit mehr als 20 internationalen Design-Auszeichnungen gewürdigt.
Im Laufe der Zeit ist ein beachtliches Portfolio entstanden. Zum einen besteht es aus ikonischen Objekten, für die bekannte dänische DesignerInnen wie Børge Mogensen, Nanna Ditzel oder Jens Risom verantwortlich zeichnen. Zum anderen sind es Möbel der neuen Generation dänischer und internationaler DesignerInnen, darunter Jasper Morrison, Space Copenhagen, Cecilie Manz, GamFratesi oder Shin Azumi. Während das Design mittlerweile international beeinflusst ist, hat sich hinsichtlich der typisch nordischen Naturverbundenheit nichts verändert: «Der Respekt vor der Natur und ihren Materialien steht von Beginn an im Mittelpunkt unseres Unternehmens», erklärt Thomas Graversen, «es kann 150 Jahre dauern, bis eine grosse und schöne Eiche wächst. Wir sind also verpflichtet, das Beste daraus zu machen und Möbel von langer Lebensdauer herzustellen.»

Auch heute wird das Unternehmen, mit beiden Marken unter einem Dach, familiengeführt: Von Thomas Graversen (links im Bild), CEO Kaja Møller sowie Produkt- und Designmanager Rasmus Graversen.
Auch heute wird das Unternehmen, mit beiden Marken unter einem Dach, familiengeführt: Von Thomas Graversen (links im Bild), CEO Kaja Møller sowie Produkt- und Designmanager Rasmus Graversen.

Ein Unternehmen, zwei Marken
Ein Unternehmen, das die gleiche Leidenschaft für Design und Handwerkskunst und den Wunsch, nachhaltige Produkte mit einer langen Lebensdauer zu schaffen, teilt, ist Erik Jørgensen. Als sich im Herbst 2020 die Gelegenheit bot, die bekannte dänische Marke, bis zuletzt familiengeführt, zu übernehmen, gab es kein Zögern. «Fredericia und Erik Jørgensen waren Mitbegründer des modernen dänischen Designs, das den neuen Minimalismus einführte, fokussiert auf Funktion und organische Formen. Sie sind beide fest mit dem dänischen Designerbe verwurzelt», erklärt CEO Kaja Møller. «Unsere Unternehmen teilen die gleichen Werte, sind gesund und gut geführt – und beide in Familienbesitz.» Was in Worten schon perfekt zusammenpasst, bestätigt sich auch auf visueller Ebene, sobald man den Showroom in Kopenhagen betritt. Hier offenbart sich die Harmonie zwischen beiden Marken auf schönste Weise: Da gesellt sich ein «Delphi»-Sofa des Designers Hannes Wettstein oder ein Couchtisch «Insula» von Ernst&Jensen für Erik Jørgensen neben einen «Swoon»-Sessel von Space Copenhagen oder den «Spanish Armchair» von Børge Mogensen für Fredericia, als ob die Möbel beider Marken schon immer zusammengehört hätten. Für KundInnen bietet sich durch den Zusammenschluss also der grosse Vorteil eines breiteren Einrichtungsspektrums. Während die Kollektion von Fredericia traditionell hauptsächlich auf Tischen und Stühlen aus Holz, Papierschnur und Leder basiert, umfasst das Sortiment jetzt auch Polstersofas und Möbelikonen wie den «Oxchair» von Hans J. Wegner und den »Corona-Chair» von Poul M. Volther. «Und natürlich bedeutet die Übernahme der Marke auch den Zugang zu gut ausgebildeten Handwerkern. Erik Jørgensen hat einige der besten Handwerker Skandinaviens ausgebildet, für die wir das Unternehmen immer bewundert haben» meint CEO Kaja Møller. Die Idee ist es, beide Marken weiterhin eigenständig zu führen, aber als ein Unternehmen. So bleiben auch die jeweiligen Unternehmens- und Produktionsstandorte in Svendborg, Fredericia und Kopenhagen sowie der Showroom in Kopenhagen und London bestehen.

FREDERICIA.COM

Im Showroom wird auf einen Blick deutlich, wie gut sich die Möbel der beiden dänischen Traditionsunternehmen ergänzen: Sofa «Delphi» und Tische «Insula» von Erik Jørgensen, Loungesessel und Ottomane «Swoon» von Fredericia.
Im Showroom wird auf einen Blick deutlich, wie gut sich die Möbel der beiden dänischen Traditionsunternehmen ergänzen: Sofa «Delphi» und Tische «Insula» von Erik Jørgensen, Loungesessel und Ottomane «Swoon» von Fredericia.
Den «Gallery Stool» entwarf Hans Sandgren Jakobsen 1998 für Fredericia, er brachte mehr als 20 internationale Auszeichnungen ein.
Den «Gallery Stool» entwarf Hans Sandgren Jakobsen 1998 für Fredericia, er brachte mehr als 20 internationale Auszeichnungen ein.

Text: Silja Cammarata
aus: Raum und Wohnen, Heft Nr. 05•06/2021

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