Dialog mit dem Licht

Seit Jahren versetzt Jacopo Foggini die Designszene mit seinen originellen Kreationen aus durchscheinendem Polycarbonat in leuchtenden Farben in Erstaunen. Für nicht minderes Aufsehen sorgt auch die neuste Outdoorkollektion «A’mare», die der Designer für Edra entwarf.

«A’mare ist die neuste Outdoorkollektion, die Jacopo Foggini für Edra entwarf. Die Tische, Stühle und Sonnenliegen bestehen nur aus transparentem Polycarbonat und Glas, was den Möbeln zu ihrer facettenreichen Erscheinung verhilft – von fliessender Transparenz bis hin zur natürlichen Integration in die Umgebung.
«A’mare ist die neuste Outdoorkollektion, die Jacopo Foggini für Edra entwarf. Die Tische, Stühle und Sonnenliegen bestehen nur aus transparentem Polycarbonat und Glas, was den Möbeln zu ihrer facettenreichen Erscheinung verhilft – von fliessender Transparenz bis hin zur natürlichen Integration in die Umgebung.

Methacrylat und Polycarbonat – zwei Werkstoffe, die aus unserem täglichen Leben nicht wegzudenken sind. Doch wie das Wort Alltag an sich schon Gewöhnlichkeit suggeriert, werden die durchsichtigen Kunststoffe wohl bei kaum jemandem Begeisterungsstürme auslösen. Es sei denn, man heisst Jacopo Foggini. Auf den übte das Material schon als kleiner Junge eine grosse Faszination aus. «Ich erinnere mich sehr gut an einen Moment meiner Kindheit», erzählt er, «ich bin fünf oder sechs Jahre alt und sehe in der Produktion meines Vaters, der für die Innenraumgestaltung von Autos tätig ist, dieses Material, das leuchtend scharlachrote Polycarbonat, aus einer Maschine kommen – es glänzt wie echtes Glas.» Dies scheint ein Schlüsselmoment gewesen zu sein, der den künstlerischen Werdegang des in Turin geborenen Designers besiegelte. Seine ersten Experimente mit dem Kunstharz, das normalerweise für die Reflektoren in der Autoindustrie verwendet wird, gehen auf den Beginn der 1990er-Jahre zurück, als er eine Maschine erfand, die er bis heute für seine Arbeiten verwendet: Sie erhitzt das Methacrylat auf bis zu 200 Grad Celsius, wodurch ein zähflüssiger Faden entsteht, den Jacopo Foggini zu leuchtenden, monumentalen Formen modelliert. Diese originellen Kreationen – Fadenlabyrinthe in einer eleganten, linearen und poetischen Verflechtung von Farben – hat der 56-Jährige an mittlerweile mehr als sechzig Ausstellungsorten weltweit präsentiert. An der Internationalen Möbelmesse in Mailand realisierte er einige beeindruckende ortsspezifische Installationen wie den grossen Kronleuchter «Lampadario da Teatro» für die Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiele in Turin im Jahr 2006. Und obwohl der in Mailand lebende Sohn einer Bildhauerin – seine künstlerische Ader scheint nicht von ungefähr zu kommen – vor allem für seine Kunstwerke bekannt ist, sorgt er mit seinen ungewöhnlichen Entwürfen auch in der Möbelbranche für Aufmerksamkeit. Mit dem italienischen Möbelhersteller Edra pflegt er eine enge Beziehung, deren Beginn bereits über zwölf Jahre zurückliegt und wohl noch weit in die Zukunft reichen wird, denn die Arbeitsbedingungen für einen Designer könnten kaum besser sein: «Ich habe Raum für meine Visionen, kann ohne Einschränkungen experimentieren. Das ist die Basis unserer Zusammenarbeit, sie entspricht unserer gemeinsamen Philosophie und Wertvorstellung eines Designs fernab jeglicher Trends, fokussiert auf Qualität und Handwerkskunst.» So bereichert Jacopo Foggini das Portfolio des in zweiter Generation von Monica und Valerio Mazzei geführten Familienunternehmens regelmässig mit seinen aussergewöhnlichen Kreationen, angefangen bei seinem ersten Möbelstück, dem Tisch «Capriccio», bis hin zu «A’mare», der neusten Kollektion für den Outdoorbereich, die Tische, Stühle und Sonnenliegen umfasst. Wie sie entstanden ist, hat uns der Designer im Gespräch verraten:

Was war der Startschuss für die Kollektion? Valerio Mazzei selbst gab den Impuls. Er besuchte mein Studio in Mailand und entdeckte dort ein blaues, durchsichtiges Objekt aus Polycarbonat, das an einen Wassertropfen erinnert. Er schlug mir vor, daraus etwas für Edra zu gestalten, da ihn der Anblick sofort faszinierte. Generell steht in Edras Philosophie nicht das Design selbst im Vordergrund, sondern der Eindruck, den es auf den Menschen macht.»

Was veranlasste Sie, das Meer als Inspirationsquelle und Namensgeber der Kollektion zu wählen? Am Meer fasziniert mich, dass man es nicht beschreiben, malen oder fotografieren kann, es sei denn, man hält es in einem präzisen Moment der Zeit fest. Bewegung und Morphismus sind genau die Aspekte, auf die sich die «A’mare»-Kollektion stützt.

Kunststoff für den Innen- oder Aussenbereich, gibt es da einen Unterschied?
Die Zusammensetzung ist im Grunde die gleiche. Ein interessanter Aspekt der Forschung ist die Untersuchung der Farbe. Was den Aussenbereich betrifft, so ist es bei Kunststoffen unerlässlich, sie mit Zusätzen gegen UV-Strahlen zu schützen, um ein Vergilben zu verhindern.

Nachhaltigkeit und Kunststoff – passt das zusammen? Um ein Produkt als nachhaltig zu definieren, muss dessen gesamter Produktionsprozess samt der Entsorgungsmöglichkeit berücksichtigt werden. Kunststoffe sind schwer zu entsorgen, doch betrachtet man ihre Unvergänglichkeit, sieht man auch ihr Potenzial für die Zukunft, denn Nachhaltigkeit bedeutet vor allem Beständigkeit. Darüber hinaus ist das verwendete Polycarbonat von bester Qualität, enthält keine Verunreinigungen, weist eine hohe Transparenz auf und ist zu 100 Prozent recycelbar.

Jacopo Fogginis Faszination für das Material ist nach wie vor ungebrochen. Um die beispiellose Transparenz der «A’mare»-Kollektion zu demonstrieren, stellt er die Möbel dann auch gerne mal auf den Grund eines Schwimmbeckens. Und ist von deren Dialog mit dem Licht, der sie fast unsichtbar werden lässt, nicht weniger verzaubert als damals im Kindesalter.

JACOPOFOGGINI.COM
EDRA.COM

Mit dem italienischen Möbelhersteller verbindet Jacopo Foggini seit über 12 Jahren eine enge, freundschaftliche Zusammenarbeit. Die daraus entstandenen Möbel sind einzigartig und hinterlassen einen bleibenden Eindruck bei den BetrachterInnen.
Mit dem italienischen Möbelhersteller verbindet Jacopo Foggini seit über 12 Jahren eine enge, freundschaftliche Zusammenarbeit. Die daraus entstandenen Möbel sind einzigartig und hinterlassen einen bleibenden Eindruck bei den BetrachterInnen.
Einzigartigkeit ist Teil der Firmenphilosophie, über die sich alle Designs des Familienunternehmens definieren – wie die neue Kollektion «A’Mare». Gegründet wurde die Firma 1987 in der Provinz Pisa in der Toskana, geleitet wird sie von den Geschwistern Monica und Valerio Mazzei.
Einzigartigkeit ist Teil der Firmenphilosophie, über die sich alle Designs des Familienunternehmens definieren – wie die neue Kollektion «A’Mare». Gegründet wurde die Firma 1987 in der Provinz Pisa in der Toskana, geleitet wird sie von den Geschwistern Monica und Valerio Mazzei.
Der 1966 geborene Turiner Designer lebt und arbeitet in Mailand, sein bevorzugter Werkstoff ist durchsichtiges Polycarbonat, das ihn vor allem wegen seiner optischen Verschmelzung mit dem Hintergrund fasziniert.
Der 1966 geborene Turiner Designer lebt und arbeitet in Mailand, sein bevorzugter Werkstoff ist durchsichtiges Polycarbonat, das ihn vor allem wegen seiner optischen Verschmelzung mit dem Hintergrund fasziniert.

Text: Silja Cammarata, Fotos: Edra
aus: Raum und Wohnen, Heft Nr. 02•03/22

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