Ein Haus, das zweimal wirkt

Das «EinZweiHaus» von Rundzwei Architekten BDA in Berlin-Kladow spielt mit der Wahrnehmung und zeigt, wie sich Raum, Material und Haltung zu einem echten Zuhause verweben.

Die gezielt gesetzten Fensteröffnungen rahmen den Aussenraum.
Die gezielt gesetzten Fensteröffnungen rahmen den Aussenraum.
Die versetzten Kuben erzeugen den Eindruck von zwei eigenständigen Einheiten.
Die versetzten Kuben erzeugen den Eindruck von zwei eigenständigen Einheiten.

Von aussen scheint es zwei Häuser zu geben. Ein Duo, fein ausbalanciert und fast wie gespiegelt, ein Bild von Nachbarschaft unter einem Dach. Doch das «EinZweiHaus» ist ein architektonischer Trick – ein einziges Einfamilienhaus, das die Idee des Doppelhauses nur zitiert, um sie leise zu unterwandern. Die Architekten von Rundzwei haben eine Fassade geschaffen, die Symmetrie verspricht und dabei das Gegenteil tut: Sie öffnet sich gegen jede Gewohnheit zu einem zusammenhängenden Raum. 

Innen entfaltet sich ein Wechselspiel aus Klarheit und Wärme. Das Erdgeschoss atmet Grosszügigkeit, getragen von filigranen Holzdecken, die Licht fangen und Weite schaffen. Küche, Essen, Wohnen – alles fliesst ineinander, ohne dabei zu verschwimmen. Jedes Fenster rahmt ein Stück Aussenwelt, als wollte das Haus den Garten nicht einfach sehen, sondern verstehen. Im Obergeschoss zieht sich der Rhythmus zurück. Die Räume werden kleiner, intimer, leiser. Ein weiter Flur verbindet sie wie eine stille Hauptader, die Begegnung und Rückzug zugleich möglich macht. Hier findet das «EinZweiHaus» seine zweite Stimme – ruhig, konzentriert, familiär. 

Und wie immer bei Rundzwei steckt die Haltung nicht nur in der Form, sondern tief im Material. Auf Beton haben die Architekten fast völlig verzichtet, stattdessen Ziegel gewählt, die in Kreisläufen denken und sich später rückbauen lassen. Die Energie kommt aus der Erde und von der Sonne: eine Wärmepumpe, gespeist durch Erdsonden und eine Ganzdach-Photovoltaikanlage. Das Norddach ist begrünt, was nicht nur kühlt, sondern Lebensraum schafft. Innen übernehmen Lehmputze das Klima, regulieren Feuchtigkeit ganz ohne Technik und verleihen den Wänden eine sanfte, matte Tiefe. So entsteht ein Haus, das wie ein doppelter Gedanke funktioniert: präzise geplant und spielerisch leicht, architektonisch klar und zugleich warm im Gebrauch. Das «EinZweiHaus» ist kein Manifest, sondern ein Beweis – dass gute Architektur nicht laut sein muss, um Haltung zu zeigen.

RUNDZWEI ARCHITEKTEN BDA

Das Erdgeschoss öffnet sich grosszügig zum Garten.
Das Erdgeschoss öffnet sich grosszügig zum Garten.
Am Essplatz sorgen die Leuchte «PH 5» von Louis Poulsen und die Schwingstühle «S 64» von Thonet für stilvolles Ambiente.
Am Essplatz sorgen die Leuchte «PH 5» von Louis Poulsen und die Schwingstühle «S 64» von Thonet für stilvolles Ambiente.
Die hohen Räume und die filigrane Holzdecke schaffen eine lichte, einladende Atmosphäre.
Die hohen Räume und die filigrane Holzdecke schaffen eine lichte, einladende Atmosphäre.
Im Obergeschoss sind die Räume an die Giebelform angepasst.
Im Obergeschoss sind die Räume an die Giebelform angepasst.
Dank des Oberlichts ist es möglich, beim Duschen in den Himmel zu blicken.
Dank des Oberlichts ist es möglich, beim Duschen in den Himmel zu blicken.
Die Schlafräume sind bewusst kompakt gehalten, um eine intime, gemütliche Atmosphäre zu schaffen.
Die Schlafräume sind bewusst kompakt gehalten, um eine intime, gemütliche Atmosphäre zu schaffen.

Text: Kirsten Höttermann, Fotos: Nate Cook

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