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Le Corbusier am Zürichsee

Das letzte Gebäude von Le Corbusier zeigt, was der Jahrhundertarchitekt unter der Synthese der Künste verstand. Nun kann der Pavillon nach zweijähriger Bauzeit wieder besichtigt werden. PAVILLON-LE-CORBUSIER.CH


Die Sanierung des architektonischen Juwels war extrem aufwendig. Doch jetzt strahlt der Pavillon von 1967 in alter Schönheit.
Die Sanierung des architektonischen Juwels war extrem aufwendig. Doch jetzt strahlt der Pavillon von 1967 in alter Schönheit.
Sämtliche Elemente basieren auf dem Modulor-Masssystem von Le Corbusier.
Sämtliche Elemente basieren auf dem Modulor-Masssystem von Le Corbusier.
Le Corbusier, mit serbischer Vase auf dem Kopf, zusammen mit Albert Jeanneret und Amédée Ozenfant in der Maison Blanche, La Chaux-de-Fonds, August 1919.
Le Corbusier, mit serbischer Vase auf dem Kopf, zusammen mit Albert Jeanneret und Amédée Ozenfant in der Maison Blanche, La Chaux-de-Fonds, August 1919.

Wenn man am Ostufer des Zürichsees entlangspaziert, stösst man zwischen dem Hafen von Riesbach und Zürichhorn auf einen Pavillon, den man getrost als Juwel der Architekturgeschichte bezeichnen kann. Denn der luftig leichte Bau mit den farbigen Flächen und dem markanten Dach ist der letzte umgesetzte Entwurf Le Corbusiers und sein einziges Gebäude aus Stahl und Glas.
Noch vor zwei Jahren zeigte sich die «maison d’homme», wie der Architekt seinen Entwurf nannte, in bedauernswertem Zustand: Viele Teile der Stahlkonstruktion waren stark korrodiert, die Aussenhülle war nicht mehr dicht, das Dach schadstoffbelastet. Zudem bedurfte es einer Sanierung der Bodenheizung sowie der nach einem Brand zerstörten Elektroinstallationen. Dass der Pavillon heute in derselben Frische, Eleganz und Farbigkeit wie bei seiner Fertigstellung erstrahlt, ist dem Sachverstand der Architekten Arthur Rüegg und Silvio Schmed zu verdanken. Dabei mussten die beiden Le Corbusier-Experten den Bau nicht nur sanieren, sondern auch fehlende Bauteile ersetzen. Letzteres schloss Teile des originalen Mobiliars ein, denn die ursprüngliche Eigentümerin des Baudenkmals hatte sich mit der Stadt überworfen und vieles mitgenommen. Da sie den Architekten als Ansprechperson nicht zur Verfügung stand, nutzten diese unzählige Fotos für die Rekonstruktion, viele davon vom Fotografen Jürg Gasser, der die Entstehung des Pavillons Mitte der 1960er-Jahre mit seiner Kamera dokumentiert hatte.
Seit Mai ist das Gebäude nun wieder als Museum für die Öffentlichkeit zugänglich. Für den Ausstellungsbetrieb zeichnet das Museum für Gestaltung verantwortlich. Die erste Wechselausstellung widmet sich der Privatsammlung Le Corbusiers und zeigt, woher der Architekt, Designer, Künstler, Autor und Buchgestalter seine Inspirationen nahm. Kuratiert wurde sie von Arthur Rüegg und Christian Brändle, dem Direktor des Museums für Gestaltung. Glanzstück bleibt jedoch das Gebäude selbst. Wer nicht nur daran vorbei spazieren, sondern auch das Innere und die Ausstellung sehen möchte, muss sich noch bis zum Herbst auf den Weg machen. Denn über den Winter, von November bis Mai, bleibt der Pavillon geschlossen.

Die Treppe durfte bleiben wie sie ist, auch wenn sie den heutigen Sicherheitsvorschriften nicht ganz entspricht.
Die Treppe durfte bleiben wie sie ist, auch wenn sie den heutigen Sicherheitsvorschriften nicht ganz entspricht.
Le Corbusier sammelte viele Dinge. Seine Leidenschaft zeigt sein breites Interessensspektrum. Unter anderem begeisterte er sich für Volkskunst und Objekte aus der Natur.
Le Corbusier sammelte viele Dinge. Seine Leidenschaft zeigt sein breites Interessensspektrum. Unter anderem begeisterte er sich für Volkskunst und Objekte aus der Natur.
Skizze Nummer 2 für «Zürich Horn», Le Corbusier, 1961., © Fondation Le Corbusier, Paris .
Skizze Nummer 2 für «Zürich Horn», Le Corbusier, 1961., © Fondation Le Corbusier, Paris .

Text: Kirsten Höttermann, Fotos: Christian Beutler; Fondation Le Corbusier, Paris

aus: Raum und Wohnen, Heft Nr. 08/2019

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