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Am Anfang war die Kaffeemaschine

Mein Mann und ich haben uns einen lange gehegten Wunsch erfüllt. Wir haben uns eine neue Kaffeemaschine geleistet – weg vom Kapselsystem, hin zu einem mit viel Liebe zubereiteten Kaffee. Anders als bei anderen Anschaffungen haben wir keine Minute gebraucht, um uns zu entscheiden, welche Maschine fortan für unser Kaffeeglück verantwortlich sein soll. Denn das Modell stand schon seit August 2016 auf unserer Wunschliste: Eine Zuriga E2.

Edelstahl, ein mit Titan beschichteter Boiler, europäisches Nussbaumholz und ein Wassertank aus handgefertigtem, hochfestem Laborglas sind die Hauptmaterialien, aus denen die Kaffeemaschinen gefertigt sind; hochwertig, nachhaltig und robust.
Edelstahl, ein mit Titan beschichteter Boiler, europäisches Nussbaumholz und ein Wassertank aus handgefertigtem, hochfestem Laborglas sind die Hauptmaterialien, aus denen die Kaffeemaschinen gefertigt sind; hochwertig, nachhaltig und robust.
Jede Maschine wird in der Manufaktur in Zürich von Hand zusammengebaut und per Post verschickt. Wer will, darf die Maschine auch selber abholen und dabei einen Blick in die Manufaktur werfen.
Jede Maschine wird in der Manufaktur in Zürich von Hand zusammengebaut und per Post verschickt. Wer will, darf die Maschine auch selber abholen und dabei einen Blick in die Manufaktur werfen.

Im August 2016 änderte sich etwas am Markt der Kaffeemaschinen. Damals lancierte ein junges Schweizer Start Up-Unternehmen eine Kaffeemaschine ohne Schnickschnack und Blingbling, dafür aus hochwertigen Materialien gefertigt, und dies zu einem unglaublich fairen Preis. «Zuriga» nennt sich die elegante Kaffeemaschine. Sie wird in der kleinen, gleichnamigen Manufaktur hergestellt, die von Moritz Güttinger gegründet wurde und mittlerweile aus einem Team von acht Personen besteht. Ihr Standort befindet sich in den Gebäuden des ehemaligen SBB-Reparaturcenters an der Hohlstrasse in Zürich, einem Areal, das unter dem Namen Werkstadt Zürich in den nächsten zwanzig Jahren zu einem lebendigen Ort für Arbeit und Freizeit transformiert wird.

Hierher fahre ich an einem nebligen Novembermorgen, um mehr über die Maschine und die Menschen dahinter zu erfahren. Ehrlich gesagt, hatte ich bloss eine vage Vorstellung davon, wie eine Manufaktur für Kaffeemaschinen aussieht. Und war umso überraschter zu sehen, dass hier, auf einer gerade mal 180 Quadratmeter grossen Fläche, von der Entwicklung, Montage und Versand bis hin zu Kommunikation, Export und Kundendienst, alles abgedeckt wird. In SBB-Boxen und grossen Kartons stehen Halbfertigfabrikate bereit: Boden, Gehäuse, Boiler, Dusche etc. Auf einer akribisch genau ausgetüftelten Montagestrasse wird jede Maschine von Hand zusammengeschraubt, geprüft und für den Versand fertiggestellt. In einem kleinen Büro, das über wenige Stufen erreichbar ist und wahrscheinlich früher mal das Refugium eines Vorarbeiters war, werden Kommunikationskonzepte und Onlinestrategien ausgeheckt. An einem langen Tisch im grossen Raum wird an den aktuellsten Innovationen und Projekten gearbeitet. Und gleich beim Eingang steht eine Theke, die zum Kaffeetrinken, Diskutieren und Austauschen einlädt. Hier stehe ich nun mit Moritz, der mir erzählt, dass der Grundstein für die Zuriga seine alte Kaffeemaschine war. Als passionierter Kaffeetrinker war er nämlich mit seinem Modell zuhause nicht glücklich. Mal gelang der Espresso, mal nicht, so dass der gelernte Umweltingenieur die Maschine kurzerhand auseinandernahm und zur Überzeugung kam: Das kann ich besser. Sein Anspruch war, mit hochwertigen und langlebigen Materialien eine Kaffeemaschine zu bauen, die vor allem eines kann: Guten Espresso machen. Entscheidende Punkte sind dabei eigentlich nur zwei Dinge: konstanter Druck (9 Bar) bei konstanter Wassertemperatur (93 Grad). Um auf dieses Ergebnis zu kommen, tüftelte er herum, zog Freunde und Experten hinzu, bis schliesslich ein Prototyp stand, der diese Bedingungen erfüllte.

Es war gleichzeitig auch ein zukunftsträchtiger Moment, in dem sich Moritz entschied, den grossen Schritt zu wagen: Er gründete eine Aktiengesellschaft, holte sich Mitarbeiter an Bord und produzierte die ersten 20 Maschinen, die online vertrieben wurden – damals zu einem Preis, der noch unter 1000 Franken lag. Die Maschinen gingen weg wie warme Gipfeli zum Kaffee. Der Rest ist Geschichte. Heute produziert Zuriga einige hunderte Maschinen pro Jahr, die immer noch unter 1500 Franken liegen, was unter anderem auch darauf zurückzuführen ist, dass der Zwischenhandel ausgeschaltet ist und die entsprechenden Einzelteile und Fabrikate direkt bezogen werden. Jüngst wurde eine weitere Variante in Schwarz lanciert. Andere Produkte, wie zum Beispiel eine eigene, vom Design her passende Mühle, sind in der Entwicklung und kommen im Verlauf des nächsten Jahres auf den Markt. Der Vertrieb läuft nach wie vor hauptsächlich direkt, auch wenn inzwischen ein kleines Händlernetz besteht: Geschäfte, die hinter der Idee von Zuriga stehen und die Kaffeemaschine im Sortiment haben wollen. Den nächsten Coup landen Moritz und sein Team im nächsten Sommer. Dann nämlich eröffnen sie ganz in der Nähe des Hauptbahnhofs, in einem neuen Gebäude an der Zollstrasse, ihren ersten, eigenen Zuriga-Shop. Hier wird das gesamte Sortiment erhältlich sein, werden Barista-Kurse durchgeführt und natürlich Espressi zubereitet. Und während man gemütlich den perfekten Espresso geniesst, wird man aus erster Hand alles rund um guten Kaffee sowie die Geschichte erfahren, die mit einer Kaffeemaschine begann.

ZURIGA.COFFEE

Das Team der Zuriga-Manufaktur: Von links stehend Ivo Engeler, vor ihm sitzend Moritz Güttinger, Gründer des Unternehmens, Reni Diggelmann, Felix Spuhler, Tizian Schöni, Flavio Gerster und David Siegrist.
Das Team der Zuriga-Manufaktur: Von links stehend Ivo Engeler, vor ihm sitzend Moritz Güttinger, Gründer des Unternehmens, Reni Diggelmann, Felix Spuhler, Tizian Schöni, Flavio Gerster und David Siegrist.

Text: Ursula Bünter
aus: Raum und Wohnen, Heft Nr. 12/19 • 01/20

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