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Mut zur Reduktion

Die norditalienische Metropole Mailand bringt man gerne mit Mode und Design, aber auch mit Opulenz in Verbindung. Eine Marke, die sich hingegen bewusst für Minimalismus entschieden hat, ist MDF Italia. Mit dieser Strategie ist der Möbelhersteller schon lange auf Erfolgskurs. 

Die Möbel der italienischen Marke MDF Italia zeichnen sich durch bewussten Minimalismus aus; in deren Fertigungsprozess spielen Innovation und Forschung eine wichtige Rolle. Werte, die bereits Bruno Fattorini verfolgte, als er die Marke 1992 gründete. Im Bild der Tisch «NVL ovale» von Jean Nouvel.
Die Möbel der italienischen Marke MDF Italia zeichnen sich durch bewussten Minimalismus aus; in deren Fertigungsprozess spielen Innovation und Forschung eine wichtige Rolle. Werte, die bereits Bruno Fattorini verfolgte, als er die Marke 1992 gründete. Im Bild der Tisch «NVL ovale» von Jean Nouvel.

Spricht man über zeitgenössisches italienisches Möbeldesign, wird es nicht lange dauern, bis der Name Cassina S.p.A. fällt. Das in Meda ansässige, 1927 gegründete Familienunternehmen engagierte die berühmtesten ArchitektInnen und DesignerInnen des 20. Jahrhunderts, um sich mit originellen und einzigartigen Möbeldesigns einen Namen zu machen – was den Brüdern und Firmengründern Cesare und Umberto Cassina auch gelang: Sie prägten das italienische Industriedesign der 1950er-Jahre; nicht zuletzt dank ihres Interesses für Innovation und Forschung. Eine Marke, der dieselbe Philosophie zugrunde liegt, ist MDF Italia. Sie ist seit 13 Jahren im Besitz der Cassina-Holding. Schon zum Zeitpunkt der Übernahme durch die dritte Generation – die Geschwister Danila und Umberto – war die Firma keine Unbekannte; ein Verdienst des Firmengründers Bruno Fattorini. Nachdem er MDF Italia 1992 gegründet hatte, entwickelte er eine innovative Produktpolitik und legte dabei sehr viel Wert auf Forschung: Formale und stilistisch einfache Möbel aus Aluminium wurden zu seinem Erfolgsrezept. Damals war Aluminium ein wenig verbreitetes Material und vor allem in der Möbelproduktion nicht geläufig – es war einer der Gründe, weshalb Bruno Fattorini mit MDF Italia bald von sich reden machte, zumal er als Art Director seine eigene Firmenphilosophie gezielt umsetzen konnte. Seine zahlreichen Entwürfe drehten sich um Minimalismus und Schönheit. Als erstes Möbelstück ging «Lim» hervor, der Archetyp eines Tisches, der vollständig aus natürlich eloxiertem Aluminium gefertigt wurde. Darauf folgte eine Sammlung verschiedener Tische, Bücherregale, Wandmöbel, Betten, Sofas und Accessoires mit starker Identität. Ab dem Jahr 2000 wurden auch bekannte italienische und internationale DesignerInnen in den kreativen Schaffensprozess einbezogen, wodurch die Möbel eine neue Ausrichtung erfuhren. Zunächst entwickelte der belgische Designer Xavier Lust eine Bank sowie Couch- und Esstisch aus gefalteten Aluminiumfolien. Daraufhin entwarf das deutsche Designer-Duo Neuland Industriedesign das Bücherregal «Random», das wohl zu einem der bekanntesten Möbelstücke der Marke zählt. Das Bücherregal mit Fächern von unterschiedlicher Grösse, die in variablen Höhen positioniert werden, ist darauf ausgerichtet, Objekte und Bücher dynamisch anzuordnen – als dekorativen Blickfänger, anstelle eines unauffälligen Stauraummöbels. Im Laufe der Jahre wurde die Weiterentwicklung des Portfolios offensichtlich. Dies war auch darin begründet, dass MDF Italia nach der Übernahme durch die Cassina Holding natürlich von der Erfahrung, der langjährigen Tradition und dem bestehenden Netz namhafter Kreativer wie Jean-Marie Massaud, Rodolfo Dordoni oder Nendo profitierte. Minimalismus und Innovation prägen auch die diesjährigen Neuheiten: Architekt Jean Nouvel entwarf mit «NVL ovale» einen Tisch, für den er sich von einem eigenen Werk inspirieren liess: dem KKL Luzern. Für die erste Outdoorkollektion schwangen sowohl der spanische Architekt Ramón Esteve, als auch der französische Designer Jean-Marie Massaud die Feder.

Das Regal «Random» wurde 2005 vom deutschen Duo Neuland Industriedesign entworfen und ist mittlerweile eines der bekanntesten Möbelstücke der italienischen Marke. Seither ist es in vielen Farb- und Materialvarianten erschienen, wie zum Beispiel «Random Wood 2C-3C» aus Walnussholz.
Das Regal «Random» wurde 2005 vom deutschen Duo Neuland Industriedesign entworfen und ist mittlerweile eines der bekanntesten Möbelstücke der italienischen Marke. Seither ist es in vielen Farb- und Materialvarianten erschienen, wie zum Beispiel «Random Wood 2C-3C» aus Walnussholz.

Im letzten Jahr kam durch den Erwerb von Acerbis eine weitere italienische Möbelmarke hinzu, die aufgrund ihrer Werte bestens mit denen von MDF Italia harmoniert. Um eben diese und die erweiterten Kollektionen beider Marken bestmöglich zu repräsentieren, wurde der israelische Architekt Pitsou Kedem beauftragt, den Showroom neuzugestalten. Auf 400 Quadratmetern schuf er eine einladende und dynamische Umgebung aus Wänden und freistehenden Raumteilern in fliessenden Linien, die den Besucher auf eine visuell-sensorische Reise entführen. Geleitet wird MDF Italia nach wie vor vom langjährigen CEO Roberto Cappellini, Unterstützung erfährt er von der mittlerweile vierten Generation der Cassina Familie: von Franco und Marco, den beiden Söhnen Umberto Cassinas, sowie deren Cousine Carolina. Während Franco als Vertragsmanager und Marco im Bereich Marketing und Kommunikation tätig ist, kümmert sich Carolina um den Verkauf. Seit vielen Jahren ist MDF Italia eine bekannte Grösse in der italienischen Möbelbranche und beweist einmal mehr, dass manchmal auch das Motto «weniger ist mehr» zum Erfolg führen kann.

MDFITALIA.COM

Die Geschwister Danila und Umberto gehören der dritten Generation an und stehen an der Spitze des traditionsreichen Familienunternehmens Cassina S.p.A., zu der seit 13 Jahren MDF Italia und seit Kurzem Acerbis gehört.
Die Geschwister Danila und Umberto gehören der dritten Generation an und stehen an der Spitze des traditionsreichen Familienunternehmens Cassina S.p.A., zu der seit 13 Jahren MDF Italia und seit Kurzem Acerbis gehört.
In diesem Jahr wurde erstmals eine Outdoor-Kollektion lanciert, für die der spanische Architekt Ramón Esteve als auch der französische Designer Jean-Marie Massaud ihr Können zum Besten gaben. Tisch «Arpa Low Table» von Ramón Esteve, Sessel «Neil Twist» von Jean-Marie Massaud.
In diesem Jahr wurde erstmals eine Outdoor-Kollektion lanciert, für die der spanische Architekt Ramón Esteve als auch der französische Designer Jean-Marie Massaud ihr Können zum Besten gaben. Tisch «Arpa Low Table» von Ramón Esteve, Sessel «Neil Twist» von Jean-Marie Massaud.

Text: Silja Cammarata
aus: Raum und Wohnen, Heft Nr. 11/2020

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