Design... Kunst? Hauptsache dänisch!

Vor fünfzehn Jahren kam Maria Bruun aus dem ländlichen Ostjütland an die Kopenhagener Königliche Akademie – und fremdelte doch anfangs mit dem Universum, in der Design alles zu bedeuten schien. Mittlerweile wird ihr Name in genau diesem Universum selbst zur Marke: Man kennt sie für ihr Engagement, das dänische Design in ein neues Zeitalter zu führen. Zum Beispiel kürzlich bei der Messe Design Miami/Basel.

Mit ihren Objekten lotet die Designerin Maria Bruun die Grenze zwischen Kunst und Design immer wieder neu aus. Foto: Benita Marcussen.
Mit ihren Objekten lotet die Designerin Maria Bruun die Grenze zwischen Kunst und Design immer wieder neu aus. Foto: Benita Marcussen.

Die dänischen Klassiker? Ja, da gebe es viele, sagt Maria Bruun, die sie sehr gern mag. Aber auch einige, die sie überhaupt nicht leiden kann. Wenn man Dänin ist, an der Royal Academy Design studiert hat und in Kopenhagen arbeitet, kommt man um die Frage nach der Tradition, nach Ikonen wie Børge Mogensen oder Arne Jacobsen nicht herum. Dänemarks Design-Erbe ist ein gewichtiges. Manchmal, so scheint es, liegt diese Tradition als Last auf den Schultern junger Gestalter. «Ich habe wirklich grosse Achtung vor diesem Erbe», gesteht Maria Bruun, «denn es gibt mir als dänische Designerin eine Art Vertrauensvorschuss. Im Sinne von: Was aus Dänemark kommt, muss gut sein.»

Doch Maria Bruun ist über die Frage nach der Tradition längst hinausgewachsen, hat sich nicht nur in Dänemark zu einer festen Grösse entwickelt, sondern erlangt gerade international Bekanntheit. Im September war sie an der Chicago Architecture Biennal dabei. Und auch im Programm der Messe Design Miami/Basel war ihr Name schon 2017 zu lesen, dieses Jahr war sie gar mit einer Einzelausstellung präsent. In ihrem Basler Hotel spricht sie beim Interview davon, wie positiv die BesucherInnen auf ihre Installation reagierten, die sie auf eigene Initiative und allein organisiert, aufgebaut und betreut hat. Kein Wunder, tun nach vier Tagen die Füsse und ein bisschen auch der Rücken weh. Viele Stunden am Tag spricht sie mit KunstkennerInnen und KunstkäuferInnen aus aller Welt. Und beantwortet – eher untypisch für ein Kunstwerk – dabei Fragen nach individuellen Anpassungen oder Sonderanfertigungen.

Maria Bruun lotet die Grenze zwischen Kunst und Möbeldesign aus, so auch mit der Basler Installation. «Der Tisch, die Spiegel, die Stühle – alles, was dort steht, ist als Kunstobjekt gedacht, erscheint aber wie ein Einrichtungsgegenstand.» Die Standspiegel aus Nussholz – sie wirken fast wie hohe schmale Schränke – zelebrieren die dänische Tischlerkunst, stossen auf Interesse bei KunstkäuferInnen aus aller Welt. Um den direkten Kontakt zwischen Künstlerin und Publikum zu verlängern, stellt sie ihre Objekte bis Ende Januar auch in ihrem eigenen, eigens dafür eröffneten Webshop aus. Ein Experiment, wie Maria Bruun betont. Die Anzahl ist limitiert, es handelt sich um Stücke für Kunstsammler. Gleichzeitig neigt sich Maria Bruun auch dem kommerziellen Design zu, steht in Verhandlungen mit mehreren bekannten Möbelmarken, um Entwürfe in Lizenz in grossen Stückzahlen produzieren zu lassen. Sie ist eine Grenzgängerin, ist in verschiedenen Netzwerken, in verschiedenen Welten, für ganz verschiedene Käufer aktiv, scheint tausend Projekte gleichzeitig zu jonglieren. «Die letzten zehn Jahre habe ich sehr hart gearbeitet, aber es fängt an, Früchte zu tragen.»

Das komplette Portrait ist im Magazin RAUM UND WOHNEN zu lesen. Die Ausgabe 10•11/2021 lässt sich online bestelllen.

Als Designerin für Fredericia steht Maria Bruun in einer Reihe mit Ikonen des dänischen Designs: Ihr Tisch aus der «Islets»-Serie ist hier umgeben von Stühlen von Nanna Ditzel.
Als Designerin für Fredericia steht Maria Bruun in einer Reihe mit Ikonen des dänischen Designs: Ihr Tisch aus der «Islets»-Serie ist hier umgeben von Stühlen von Nanna Ditzel.
Die Spiegel, die Maria Bruun in Basel ausstellte, werden in limitierter Stückzahl von einer Schreinerei in Dänemark aus Walnussholz gefertigt und knüpfen in der Ausarbeitung der Details an die grossen Vorbilder des dänischen Produktdesigns an. Foto: Benita Marcussen.
Die Spiegel, die Maria Bruun in Basel ausstellte, werden in limitierter Stückzahl von einer Schreinerei in Dänemark aus Walnussholz gefertigt und knüpfen in der Ausarbeitung der Details an die grossen Vorbilder des dänischen Produktdesigns an. Foto: Benita Marcussen.
«Surrounding reflections» lautete der Titel ihrer Installation an der diesjährigen Design Miami/Basel. Und so spielen die Objekte allesamt mit der Dualität von dem, was man sieht und wie es erscheint. Foto: Benita Marcussen.
«Surrounding reflections» lautete der Titel ihrer Installation an der diesjährigen Design Miami/Basel. Und so spielen die Objekte allesamt mit der Dualität von dem, was man sieht und wie es erscheint. Foto: Benita Marcussen.

Text: Barbara Hallmann
aus: Raum und Wohnen, Heft Nr. 10•11/2021

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