Sofalandschaft

Mor-So heisst der Weg in die Zukunft für eine der grössten italienischen Designmarken. Die interne Abteilung von Moroso forscht und experimentiert mit neuen Materialien und Arbeitsweisen. «Design by Nature», das erste Projekt in Zusammenarbeit mit den schwedischen Designerinnen Sofia Lagerkvist und Anna Lindgren, wurde kürzlich an der Design Miami / Basel vorgestellt.

«Design by Nature» ist das erste Ergebnis eines Forschungsprojekts der schwedischen Designlabels Front in Zusammenarbeit mit More-So, die interne Abteilung des italienischen Designunternehmens Moroso. Foto: Alessandro Paderni.
«Design by Nature» ist das erste Ergebnis eines Forschungsprojekts der schwedischen Designlabels Front in Zusammenarbeit mit More-So, die interne Abteilung des italienischen Designunternehmens Moroso. Foto: Alessandro Paderni.
Das Interesse der Designerinnen Sofia Lagerkvist (links) und Anna Lindgren gilt der Frage, wie natürliche Strukturen funktionieren und wie sie mit ihrer Umgebung zusammenhängen. Foto: Lena Modigh.
Das Interesse der Designerinnen Sofia Lagerkvist (links) und Anna Lindgren gilt der Frage, wie natürliche Strukturen funktionieren und wie sie mit ihrer Umgebung zusammenhängen. Foto: Lena Modigh.

Eine Sache zu entwerfen, ohne den Zwang, sie auch verkaufen zu müssen, weil es interessant ist, wichtig oder einfach nur schön, das ist etwas, was in unserem Wirtschaftssystem nur wenig Platz hat. Zu wenig, findet Patrizia Moroso, weshalb sie als Art Director des italienischen Unternehmens Moroso die interne Abteilung More-So ins Leben rief. Zusammen mit Ron Arad, Designer, Architekt und Co-Creative Director von More-So, will die Unternehmerin die Forschung und das Experimentieren im Bereich des Einrichtungsdesigns fördern und gleichzeitig die Voraussetzungen für eine effizientere, flexiblere und nachhaltigere industrielle Produktion schaffen.

Was sich theoretisch äusserst innovativ anhört, bestätigt auch das erste Projekt, welches an der Design Miami/Basel vorgestellt wurde. Es heisst «Design by Nature» und More-So entwickelte es in Zusammenarbeit mit dem schwedischen Duo Front. Die neuen Möbelstücke, die durch 3D-Scannen, Fräsen, Weben entstanden, lassen sich wohl am besten als Nachbildungen der Natur beschreiben, sehen sie doch aus wie Teile von Landschaften, Schneeverwehungen oder moosbewachsene Felsen, die dem menschlichen Körper einen Platz bieten. «Wir wollten, dass die Stücke den Eindruck erwecken, als hätte jemand mit einer riesigen Schaufel eine ganze Lichtung aus dem Wald gehoben und in ein Haus gebracht», sagt Sofia Lagerkvist, Mitbegründerin von Front. Und ihre Partnerin Anna Lindgren ergänzt: «Wir haben diese Orte mit verschiedenen Techniken dokumentiert, sowohl mit Hightech als auch mit traditionellen Methoden, weil wir die Dimensionen und physischen Eigenschaften, aber auch die Atmosphäre der Natur erfassen wollten.»

Die Designerinnen fertigten zuerst Gemälde und Zeichnungen und scannten ganze Bereiche aus verschiedenen natürlichen Umgebungen in 3D. Die Textilien, welche die Objekte bedecken, sind integrale Bestandteile der Werke: Sie sind gewebt und an die dreidimensionalen Möbelstücke angepasst. Es wirkt, als sässe man in einem Gemälde oder Wandteppich, der ein Stück Natur darstellt. «Viele Studien haben bewiesen, dass die Nähe zur Natur viele therapeutische Eigenschaften hat und gut für die persönliche und öffentliche Gesundheit ist. Das ist ein grundlegender Teil der Beziehungen des Menschen zu seiner Umwelt, mit dem wir experimentieren wollen», sagt Anna Lindgren.

«Design by Nature» wurde von Front über Jahre hinweg entwickelt. Der Designansatz, der den Werken zugrunde liegt, berücksichtigt die Natur und stützt sich auf Forschungsergebnisse über die Auswirkungen auf die körperliche und geistige Gesundheit sowie die kulturelle und psychologische Bedeutung natürlicher Umgebungen. Das Projekt ist ein Versuch, die kreative Schnittstelle zwischen einem Organismus und seiner Umgebung zu erforschen.

MOROSO
FRONT

Inmitten der Natur: An der Design Miami / Basel fand das Projekt «Design by Nature» viel Anklang. Foto: Giuliana De Luca.
Inmitten der Natur: An der Design Miami / Basel fand das Projekt «Design by Nature» viel Anklang. Foto: Giuliana De Luca.
Manche der Objekte gleichen Steinen, andere sehen aus wie Holzstücke. Allen Arbeiten liegen 3D-Scans der Natur zugrunde. Foto: Alessandro Paderni.
Manche der Objekte gleichen Steinen, andere sehen aus wie Holzstücke. Allen Arbeiten liegen 3D-Scans der Natur zugrunde. Foto: Alessandro Paderni.

Text: Kirsten Höttermann
aus: Raum und Wohnen, Heft Nr. 10•11/2021

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