Tische und Stühle produziert mit Hand und Herz

Produkte, die sofort verfügbar sind, bestimmen unseren Alltag. Doch nicht umsonst heisst es: Gut Ding will Weile haben. In Willisau fertigt ein Schweizer Unternehmen seit 1928 Tische und Stühle, die Resultate aufwendiger Hand­arbeit sind. Mit Präzision, Leidenschaft und der nötigen Geduld.

«Capri» von Martin Ballendat überzeugt durch klare Linien und ein durchdachtes Tischbein-Design. Er ist als feste oder ausziehbare Variante in verschiedenen Formen erhältlich.
«Capri» von Martin Ballendat überzeugt durch klare Linien und ein durchdachtes Tischbein-Design. Er ist als feste oder ausziehbare Variante in verschiedenen Formen erhältlich.
Kein Tisch ohne den passenden Stuhl: Ob geschwungenes Holzgestell oder schlichtes Metall, mit Bezug aus Leder oder Stoff – für jedes Tischmodell fertigt die Manufaktur die passenden Stühle und schafft so stimmige Ensembles. Foto: Felder Photography.
Kein Tisch ohne den passenden Stuhl: Ob geschwungenes Holzgestell oder schlichtes Metall, mit Bezug aus Leder oder Stoff – für jedes Tischmodell fertigt die Manufaktur die passenden Stühle und schafft so stimmige Ensembles. Foto: Felder Photography.
Die Tischfamilie «Coral» von Designer Rainer Bachschmid basiert auf einem Fuss aus 3D-gedrucktem Beton. Schicht für Schicht entsteht eine charakteristische Rillenstruktur, die komplexe Formen ermöglicht. Gleichzeitig reduziert das Verfahren den Materialeinsatz auf das notwendige Mass. Foto: Felder Photography.
Die Tischfamilie «Coral» von Designer Rainer Bachschmid basiert auf einem Fuss aus 3D-gedrucktem Beton. Schicht für Schicht entsteht eine charakteristische Rillenstruktur, die komplexe Formen ermöglicht. Gleichzeitig reduziert das Verfahren den Materialeinsatz auf das notwendige Mass. Foto: Felder Photography.
Patrick Brunner, CEO Willisau Group.
Patrick Brunner, CEO Willisau Group.

Die Willisau Group, Möbelmanufaktur, ansässig im gleichnamigen Ort im Luzerner Hinterland, hat sich der Individualität und Authentizität verschrieben. Nach über neun Jahrzehnten Firmengeschichte sind diese Werte heute aktueller denn je. Trotz globaler Lieferketten beweist das Unternehmen, dass Swissness mehr ist als eine Herkunftsangabe. Sie steht für Überzeugung, Verantwortung und Qualität.

Was die Möbel alle gleichermassen auszeichnet, sind klare Linien, eine sorgfältige Konstruktion und Materialbewusstsein für Holz, Stahl und Keramik. Jedes Massivholzelement wird von Hand geschliffen, geölt oder lackiert. CNC-Maschinen unterstützen das Handwerk, ersetzen es aber nicht. Wenn immer möglich, kommt das Holz aus der Schweiz und wird nach klaren Definitionen und Qualitätsmerkmalen selektiert. Zusätzlich kommen innovative Materialien wie «MDi», eine Hightech-Keramik von Inalco, zum Einsatz. Hierbei werden in einem fortschrittlichen Sinterverfahren natürliche Mineralien unter extremem Druck und hoher Temperatur zu besonders widerstandsfähigen Oberflächen verdichtet. Dadurch erhält das Material Tiefe und Bewegung und die Steintexturen werden betont. 

Auch die Technik spielt bei den Tischen eine zentrale Rolle, allen voran die verschiedenen Auszugssysteme wie der Synchron- oder Flügelauszug, die bei Willisau selber entwickelt werden. Oder etwa das patentierte Trigonom-System, das beim Tisch «Varino» das natürliche Dehnen und Schwinden des 28 Millimeter starken Massivholzes ausgleicht. Dadurch wird die scheinbar schwebende Tischplatte mit ihren abgeschrägten Kanten exakt gerade gehalten. Ein besonders ­innovatives Modell ist der Tisch «Coral». Im Mittelpunkt steht ­ein 3D-gedruckter Betonsockel mit organischen Linien, entworfen von Rainer Bachschmid. Schicht für Schicht formen die charakteristischen Rillen des «Coral» komplexe, skulpturale Strukturen, bei denen Materialeinsatz und ­Design genau aufeinander abgestimmt sind. 

Die Entwürfe entstehen sowohl in Zusammenarbeit mit renommierten Kreativen wie Rainer Bachschmid oder Martin Ballendat als auch im internen Designteam. Für technische Lösungen, insbesondere die Auszugssysteme, ist das eigene Ingenieurteam verantwortlich. Kommissionsweise gefertigte Möbel, Sondermasse und individuelle Ausführungen gehören in Willisau zum Alltag. Solche Stücke entstehen nicht über Nacht. Sie werden Schritt für Schritt, mit Sorgfalt, Erfahrung und einem genauen Blick für Proportion und Material gefertigt. Gerade darin liegt ihr Wert: in der Zeit, die ihnen zugestanden wird. Am Ende steht kein Produkt von der Stange, sondern ein Möbel, das über Jahre Bestand hat und seinen Platz im Raum ebenso selbstverständlich einnimmt wie im Alltag seiner BesitzerInnen.

Ursprung & Entwicklung 
Die Wurzeln der Manufaktur liegen in einer Kooperation zwischen der Volksbank Willisau und der Möbelfabrik Nyffeler & Jordi. Zunächst wurde ein Vollsortiment einer klassischen Möbelproduktion angeboten, darunter Buffets, Küchen, Tische und Polstermöbel. Erst 1997 begann die Spezialisierung auf Tische und Stühle mit der Kernkompetenz in der handwerklichen Produktion. Als 2016 die Zumsteg Collection AG übernommen wurde, erweiterte sich damit das Portfolio auf Outdoor-Möbel. Zuletzt folgte 2021 die «Willisau Switzerland Edition», deren Möbel einen extravaganteren, ästhetischen Gestaltungsanspruch zeigen. Heute führt das Unternehmen CEO Patrick Brunner.

Willisau Group

Beim Massivholztisch «Varino» lässt die präzise Tischkante die Platte über den massiven Vierkantfüssen beinahe schweben.
Beim Massivholztisch «Varino» lässt die präzise Tischkante die Platte über den massiven Vierkantfüssen beinahe schweben.
Neben den Lagerbeständen an amerikanischem Nussbaum und euro­päischer Eiche verarbeitet die Manufaktur auf Wunsch auch andere Holzarten wie Esche oder Kirschbaum sowie spezielle Plattenlängen und Maserungen. Das Massivholz wird mit viel Know-how von Hand bearbeitet.
Neben den Lagerbeständen an amerikanischem Nussbaum und euro­päischer Eiche verarbeitet die Manufaktur auf Wunsch auch andere Holzarten wie Esche oder Kirschbaum sowie spezielle Plattenlängen und Maserungen. Das Massivholz wird mit viel Know-how von Hand bearbeitet.
Ein patentierter Seilzug gleicht das Dehnen und Schwinden des 28 Millimeter starken Holzes aus und hält die Tischplatte von «Varino» gerade.
Ein patentierter Seilzug gleicht das Dehnen und Schwinden des 28 Millimeter starken Holzes aus und hält die Tischplatte von «Varino» gerade.
Vom gespreizten Nackenschild der Kobra inspiriert, zieht sich die Tischplatte von «Valera» in fliessender Form über die sanften Rundungen der Kanten bis zum Fuss.
Vom gespreizten Nackenschild der Kobra inspiriert, zieht sich die Tischplatte von «Valera» in fliessender Form über die sanften Rundungen der Kanten bis zum Fuss.

Mehr Designideen gibt es in der Ausgabe 05•06/26 vom Magazin RAUM UND WOHNEN.

Text: Silja Cammarata
aus dem Magazin: Raum und Wohnen, Zeitschrift Nr. 05•06/26

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