Produkte, die sofort verfügbar sind, bestimmen unseren Alltag. Doch nicht umsonst heisst es: Gut Ding will Weile haben. In Willisau fertigt ein Schweizer Unternehmen seit 1928 Tische und Stühle, die Resultate aufwendiger Handarbeit sind. Mit Präzision, Leidenschaft und der nötigen Geduld.
Die Willisau Group, Möbelmanufaktur, ansässig im gleichnamigen Ort im Luzerner Hinterland, hat sich der Individualität und Authentizität verschrieben. Nach über neun Jahrzehnten Firmengeschichte sind diese Werte heute aktueller denn je. Trotz globaler Lieferketten beweist das Unternehmen, dass Swissness mehr ist als eine Herkunftsangabe. Sie steht für Überzeugung, Verantwortung und Qualität.
Was die Möbel alle gleichermassen auszeichnet, sind klare Linien, eine sorgfältige Konstruktion und Materialbewusstsein für Holz, Stahl und Keramik. Jedes Massivholzelement wird von Hand geschliffen, geölt oder lackiert. CNC-Maschinen unterstützen das Handwerk, ersetzen es aber nicht. Wenn immer möglich, kommt das Holz aus der Schweiz und wird nach klaren Definitionen und Qualitätsmerkmalen selektiert. Zusätzlich kommen innovative Materialien wie «MDi», eine Hightech-Keramik von Inalco, zum Einsatz. Hierbei werden in einem fortschrittlichen Sinterverfahren natürliche Mineralien unter extremem Druck und hoher Temperatur zu besonders widerstandsfähigen Oberflächen verdichtet. Dadurch erhält das Material Tiefe und Bewegung und die Steintexturen werden betont.
Auch die Technik spielt bei den Tischen eine zentrale Rolle, allen voran die verschiedenen Auszugssysteme wie der Synchron- oder Flügelauszug, die bei Willisau selber entwickelt werden. Oder etwa das patentierte Trigonom-System, das beim Tisch «Varino» das natürliche Dehnen und Schwinden des 28 Millimeter starken Massivholzes ausgleicht. Dadurch wird die scheinbar schwebende Tischplatte mit ihren abgeschrägten Kanten exakt gerade gehalten. Ein besonders innovatives Modell ist der Tisch «Coral». Im Mittelpunkt steht ein 3D-gedruckter Betonsockel mit organischen Linien, entworfen von Rainer Bachschmid. Schicht für Schicht formen die charakteristischen Rillen des «Coral» komplexe, skulpturale Strukturen, bei denen Materialeinsatz und Design genau aufeinander abgestimmt sind.
Die Entwürfe entstehen sowohl in Zusammenarbeit mit renommierten Kreativen wie Rainer Bachschmid oder Martin Ballendat als auch im internen Designteam. Für technische Lösungen, insbesondere die Auszugssysteme, ist das eigene Ingenieurteam verantwortlich. Kommissionsweise gefertigte Möbel, Sondermasse und individuelle Ausführungen gehören in Willisau zum Alltag. Solche Stücke entstehen nicht über Nacht. Sie werden Schritt für Schritt, mit Sorgfalt, Erfahrung und einem genauen Blick für Proportion und Material gefertigt. Gerade darin liegt ihr Wert: in der Zeit, die ihnen zugestanden wird. Am Ende steht kein Produkt von der Stange, sondern ein Möbel, das über Jahre Bestand hat und seinen Platz im Raum ebenso selbstverständlich einnimmt wie im Alltag seiner BesitzerInnen.
Ursprung & Entwicklung
Die Wurzeln der Manufaktur liegen in einer Kooperation zwischen der
Volksbank Willisau und der Möbelfabrik Nyffeler & Jordi. Zunächst
wurde ein Vollsortiment einer klassischen Möbelproduktion angeboten,
darunter Buffets, Küchen, Tische und Polstermöbel. Erst 1997 begann die
Spezialisierung auf Tische und Stühle mit der Kernkompetenz in der
handwerklichen Produktion. Als 2016 die Zumsteg Collection AG übernommen
wurde, erweiterte sich damit das Portfolio auf Outdoor-Möbel. Zuletzt
folgte 2021 die «Willisau Switzerland Edition», deren Möbel einen
extravaganteren, ästhetischen Gestaltungsanspruch zeigen. Heute führt
das Unternehmen CEO Patrick Brunner.
Mehr Designideen gibt es in der Ausgabe 05•06/26 vom Magazin RAUM UND WOHNEN.
Text: Silja Cammarata
aus dem Magazin: Raum und Wohnen, Zeitschrift Nr. 05•06/26