Als Theodor Jakob 1950 in Bern sein erstes Einrichtungsgeschäft eröffnete, wollte er nicht einfach Möbel verkaufen: Ihn interessierte, wie gute Gestaltung den Alltag verändert. Diese Haltung lebt heute im USM PlayLab in Bern weiter.
Siebenundzwanzig Jahre alt und voller Energie: Theodor Jakob übernahm 1950 das Polster und Tapeziergeschäft seines Vaters in der Berner Altstadt, eröffnet bereits 1914. Im Gepäck hatte er Lehre und Berufserfahrung als Innenausstatter und die Überzeugung, dass Möbel mehr sein können als schöne Einzelstücke. Ihn interessierte, wie Räume funktionieren und wie Einrichtung das Leben von Menschen verändern kann.
Diese Haltung war in der Schweiz der Nachkriegszeit ein Novum, denn viele Möbelhäuser verkauften vor allem einzelne aufwendig gearbeitete Möbelstücke. Jakob modernisierte das Familienunternehmen radikal: Heimatstil und schwere Polstermöbel verschwanden aus dem Geschäft. Stattdessen zeigte er funktionale Möbel der klassischen Moderne und neue Entwürfe aus Skandinavien und Italien.
Bald entwickelte sich das Geschäft in der Berner Altstadt zum Treffpunkt für ArchitektInnen, GestalterInnen und Designinteressierte. Für das Design seiner Räume arbeitetet Jakob mit jungen Schweizer Talenten zusammen, darunter Robert Haussmann und Kurt Thut. Auch das Logo folgte bald dieser neuen Sachlichkeit. 1955 entwarf der Grafiker Alfred Hablützel dieses Symbol der modernen Schweizer Designkultur: in roter Helvetica, bewusst kleingeschrieben und ohne das «h» aus «Theo».
Aus dieser Haltung heraus entstand Anfang der 1970er Jahre auch die Partnerschaft mit der Marke USM. Bereits 1972 eröffnete Teo Jakob eine der ersten spezialisierten USM-Fachabteilungen überhaupt. Dafür brauchte es ein gutes Gespür, denn die Geschichte dieser Möbel war damals noch jung. Das Unternehmen selbst wurde als Schlosserei 1885 gegründet; der Name USM steht für Ulrich Schärer Münsingen. Daraus wurde ein Hersteller präziser Metallbeschläge und Eisenwaren, für den der Architekt Fritz Haller Anfang der 1960er-Jahre einen Neubau für Fabrik und Verwaltung planen durfte. Dafür wiederum brauchte USM eine passende Einrichtung, die man selbst herstellen konnte und die Haller ebenfalls entwarf. Doch BesucherInnen der neuen Räume fragten bald nach denselben Möbeln. Der Rest ist Geschichte.
Theodor Jakob erkannte schnell: USM Haller ist mehr als ein Möbelprogramm. Das modulare System entsprach genau seiner Idee, Räume flexibel zu denken. Ein Regal konnte zum Raumteiler werden, ein Sideboard zur Empfangstheke, eine Bibliothek zum architektonischen Element. Es entwickelte sich eine enge Zusammenarbeit und so verbindet beide Unternehmen bis heute das Interesse an Gestaltung und visueller Kultur – swiss made.
Besonders deutlich zeigt sich das im USM PlayLab an der Berner Gerechtigkeitsgasse, ein gemeinsames Projekt von Teo Jakob und USM. In diesem Experimentierfeld können Konfigurationen getestet werden, Farben verglichen und unterschiedliche Raumlösungen probiert. Natürlich dient das PlayLab als Ort für neue Entwicklungen: Ergänzungen wie textile Paneele schaffen eine weichere, akustisch wirksame Ebene – ein Beispiel dafür, wie sich ein Designklassiker immer wieder neu denken lässt.
Das PlayLab in Bern führt damit eine Geschichte fort, die vor mehr als fünfzig Jahren begann, als ein Berner Möbelhändler namens Theodor Jakob erkannte, dass dieses Möbelbausystem genau zu seiner Idee von Raumgestaltung passt.
Mehr Designideen gibt es in der Ausgabe 05•06/26 vom Magazin RAUM UND WOHNEN.
Text: Barbara Hallmann
aus dem Magazin: Raum und Wohnen, Zeitschrift Nr. 05•05/26