Einblick Montana Furniture

A neverending Story

Ein Möbelsystem, das sich nicht ständig neu erfinden muss, weil es sich immer wieder neu denken lässt – in Farben, Formen und Modularität.

Ob einzeln oder zu mehreren, auf dem Boden, an der Wand oder als Raumteiler: Das «Panton Wire»-Drahtregal lässt sich viel­seitig nutzen – genau wie das Montana System.
Ob einzeln oder zu mehreren, auf dem Boden, an der Wand oder als Raumteiler: Das «Panton Wire»-Drahtregal lässt sich viel­seitig nutzen – genau wie das Montana System.

Vor rund acht Jahren erhielt ich einen ersten Einblick in das Farbuniversum von Montana. Peter Lassen selbst (1930–2019) erzählte mir in der Kopenhagener Altbauwohnung seines Sohnes Joakim, dem heutigen CEO, von den Anfängen seines Unternehmens. Mit Leidenschaft berichtete er von seiner Zeit bei Fritz Hansen, wo er lernte, dass ikonisches Design zwei untrennbare Merkmale besitzt: Form und Funktion. Mit diesem Impuls begann der Gedanke an ein Stauraummöbelsystem, das sich bewusst von den damals dominierenden geraden Linien und schweren, anorganischen Formen abhebt und modular, flexibel und vor allem persönlich gestaltet werden kann. Die Idee war überzeugend, doch Verner Panton, enger Freund Lassens und Vertrauter der Familie, sah zunächst keinen echten Mehrwert. Panton, der in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte (1926–1998), hielt sich mit seiner ehrlichen Meinung nicht zurück und bemängelte die Farblosigkeit. Schwarz, Weiss, Holz und drei Grundfarben hatte Peter Lassen ursprünglich für sein Möbelsystem vorgesehen. Den Hinweis seines Freundes, der zu Lebzeiten für ­seinen Wagemut oft belächelt wurde und heute als Designikone gefeiert ist, nahm er ernst. Vor 44 Jahren gründete er die Firma Montana mit einem modularen Stauraumsystem in rund 14 Farben.

Abgerundete Ecken und Kanten, ein universelles DIN-Format und eine Farbvielfalt, die Freude und Emotion in die eigenen vier Wände bringen sollte, bilden bis heute das Credo der Marke. Alle Möbel werden in Dänemark entworfen und in der ehemaligen Marmeladenfabrik in Haarby auf der Insel Fünen gefertigt. Heute zählt die Farbpalette 42 umweltfreundliche Lackfarben auf Wasserbasis, die 2019 von der dänischen Farbspezialistin Margrethe ­Odgaard konzipiert wurden und das modulare System noch flexibler und individueller ­machen. Mit unterschiedlichen Abmessungen und erweiterbaren Modulen hat Montana mittlerweile zahlreiche Wohnräume erobert, von der Privatwohnung bis zu öffentlichen Räumen und Firmengebäuden auf der ganzen Welt.

Die Kollektion umfasst neben dem eigenen Stauraumsystem auch Reproduktionen dänischer Designikonen von Verner Panton, Arne Jacobsen und Jørgen Rasmussen sowie neue, innovative Entwürfe, etwa von Jakob Wagner oder Jens Martin Skibsted, die das System weiterdenken. Was die Entwicklungen der letzten Jahre waren, warum sich das Montana-System fortlaufend weiterentwickelt und wie selbst jemand, der inmitten von Farben aufgewachsen ist, bei der Farbwahl hin und wieder kleine Überraschungen erlebt, habe ich Joakim Lassen gefragt. In diesem Jahr trafen wir uns erneut in Kopenhagen, um über die Gegenwart und Zukunft von Montana zu sprechen:

Seit 2015 baut Joakim Lassen, zuvor Umweltberater grosser ­Ingenieurbüros, als CEO den Nachhaltigkeitsfokus seines Vaters Peter konsequent aus. 2019 erhielt Montana als einer der ersten Möbel­hersteller Europas das EU-Umweltzeichen für seine Kernprodukte.
Seit 2015 baut Joakim Lassen, zuvor Umweltberater grosser ­Ingenieurbüros, als CEO den Nachhaltigkeitsfokus seines Vaters Peter konsequent aus. 2019 erhielt Montana als einer der ersten Möbel­hersteller Europas das EU-Umweltzeichen für seine Kernprodukte.

36 Module, 4 Tiefen und 42 Farben. Montana bietet unzählige Möglichkeiten, der eigenen Persönlichkeit Ausdruck zu verleihen. Gerade die Wahl einer Farbe kann mitunter auch überraschen ... 
Joakim Lassen: Mir selbst ist das erst kürzlich passiert. Für ein neues Schlafzimmermöbel hatte ich Flint gewählt, einen hellen Blauton, der im Showroom wunderbar aussah. Zu Hause, mit Wänden und Decke in Pomelo, einem zarten Pastellgrün, gefiel er mir aber überhaupt nicht mehr. Am Ende entschied ich mich für Hokkaido, einen tiefen Orange-Rotton, der besser passt und eine ruhige Schlafatmosphäre schafft. 

Besteht bei auffälligen Farben nicht die Gefahr, dass sie irgendwann ihren Reiz verlieren? 
Joakim Lassen: Das Besondere an Margrethe Odgaards Farben ist ihre Tiefe. Sie bestehen aus vielen Pigmenten und wirken dadurch lebendiger und nuancierter als klassische Standardfarben. Je nach Licht und Raum zeigen sie unterschiedliche Facetten und lassen sich wunderbar mit anderen Tönen kombinieren. Margrethe wollte nie kurzfristigen Trends folgen, sondern Farben schaffen, die Sinnlichkeit ausstrahlen und auf Dauer wirken. Sie sollen die Stimmung eines Raums bereichern und seine Atmosphäre unterstreichen. 

Die Farbpalette von Margrethe Odgaard stammt aus dem Jahr 2019 und ersetzte grösstenteils die ursprünglichen Farben aus den Anfangsjahren. Ist eine weitere Überarbeitung geplant? 
Joakim Lassen: Tatsächlich konzentriert sich ihre Palette auf dunkle, tiefe und helle, leichte Töne. Die Farben zwischen Weiss, Grau und Schwarz blieben bislang unverändert. Nächstes Jahr werden diese neutralen Töne überarbeitet, sodass alle Farben harmonisch miteinander kombinierbar sind, ganz im Sinne unseres Farbkonzepts. 

Welche Herangehensweise empfehlen Sie Ihren KundInnen bei der Auswahl? 
Joakim Lassen: Die vielen Möglichkeiten können einen schon mal über­fordern. Deshalb ist es hilfreich, wenn jemand mit einem geschulten Blick für Farben einen unterstützt. Oft hilft es, zuerst zu schauen, welche Möbel im Raum bleiben sollen. Daran kann man sich bei der Farbwahl orientieren. Und dann stellt sich die Frage: lieber ruhig und Ton in Ton oder lieber etwas Mutigeres, das direkt auffällt? 

Zum Portfolio gehören neben dem Stauraumsystem auch einige sorgfältig ausgewählte Designs. Wie wählt ihr diese aus, damit sie zur Markenphilosophie passen? 
Joakim Lassen: Statt ständig neue Möbel zu entwerfen, entwickeln wir ­unser System seit 44 Jahren Schritt für Schritt weiter und passen es immer wieder an. Bei ergänzenden Designs, meist Neuauflagen bekannter Klassiker, schauen wir auf Archetypen, die einfach in vielen Situationen funktionieren. Der Stuhl «Kevi» zum Beispiel passt sowohl ins Büro als auch in die Lounge, an die Bar oder an den Esstisch. Und das Sofa «Paradigm» folgt genau diesem Gedanken und weist grosse Ähnlichkeit mit dem Montana-System auf: modular, abgerundet und weich. Im Grunde funktioniert das Portfolio von Montana wie ein Baukasten aus einzelnen Elementen, die sich frei kombinieren lassen. So entsteht ein persönlicher Lebensraum, der sich mit der Zeit verändert und immer wieder neue Möglichkeiten bietet – ein System, das in Bewegung bleibt. 

MONTANA FURNITURE

Als offizieller Möbelpartner trug Montana im März 2026 zur Gestaltung der Räume des «CPH:DOX» bei, eines der weltweit führenden Dokumentarfilm­festivals. Im Bild: der «Kevi 2533»-Bürostuhl im tiefen ­Orange-/Rotton Hokkaido.
Als offizieller Möbelpartner trug Montana im März 2026 zur Gestaltung der Räume des «CPH:DOX» bei, eines der weltweit führenden Dokumentarfilm­festivals. Im Bild: der «Kevi 2533»-Bürostuhl im tiefen ­Orange-/Rotton Hokkaido.
Linke Ecke, rechte Ecke, gerades Modul und Hocker – zum Portfolio gehören neben dem Stauraumsystem ausgewählte Reproduktionen dänischer Designikonen, deren Flexibilität das System ideal ergänzt. Seit 2025 gehört auch das Sofa «Paradigm» zum Portfolio, ursprünglich 1969 von Erik Rasmussen als «Paustian Modular Sofa» entworfen.
Linke Ecke, rechte Ecke, gerades Modul und Hocker – zum Portfolio gehören neben dem Stauraumsystem ausgewählte Reproduktionen dänischer Designikonen, deren Flexibilität das System ideal ergänzt. Seit 2025 gehört auch das Sofa «Paradigm» zum Portfolio, ursprünglich 1969 von Erik Rasmussen als «Paustian Modular Sofa» entworfen.
Kleine Änderungen, grosse Wirkung: Zur Erweiterung der Garderobe gehören unter anderem neue Proportionen, die mehr Stauraum und noch individuellere Nutzungsmöglichkeiten bieten.
Kleine Änderungen, grosse Wirkung: Zur Erweiterung der Garderobe gehören unter anderem neue Proportionen, die mehr Stauraum und noch individuellere Nutzungsmöglichkeiten bieten.
Montana Furniture feiert das hundertjährige Jubiläum des ­legendären dänischen Architekten und Designers Verner Panton, einem engen Freund der Familie Lassen, mit einer Neuauflage des «Panton-Tisches» in modernen Formaten und frischen Farben.
Montana Furniture feiert das hundertjährige Jubiläum des ­legendären dänischen Architekten und Designers Verner Panton, einem engen Freund der Familie Lassen, mit einer Neuauflage des «Panton-Tisches» in modernen Formaten und frischen Farben.

Mehr Designideen gibt es in der Ausgabe 06•07/26 vom Magazin RAUM UND WOHNEN.

Text: Silja Cammarata
aus dem Magazin: Raum und Wohnen, Zeitschrift Nr. 06•07/26

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