Beistelltische und Konsolen für Pedrali

An der Schnittstelle

Andrea Trimarchi und Simone Farresin zeigen mit «Estratto», wie weit man ein einziges Aluminiumprofil denken kann. Die Kollektion von Beistelltischen und Konsolen für Pedrali ist ein System, das industrielle Präzision mit klarer, fast architektonischer Präsenz verbindet.

«Estratto» ist eine Kollektion mit Tischchen und Konsolen aus Aluminium für den Innen- und auch Aussenbereich, die das Studio Formafantasma für Pedrali entworfen hat. Foto: Omar Sartor.
«Estratto» ist eine Kollektion mit Tischchen und Konsolen aus Aluminium für den Innen- und auch Aussenbereich, die das Studio Formafantasma für Pedrali entworfen hat. Foto: Omar Sartor.
Das italienisches Designerduo Andrea Trimarchi und Simone Farresin sind die Gründer des Studios Formafantasma, mit Sitz in Amsterdam. Foto: Gregorio Gonella.
Das italienisches Designerduo Andrea Trimarchi und Simone Farresin sind die Gründer des Studios Formafantasma, mit Sitz in Amsterdam. Foto: Gregorio Gonella.

Wie würdet Ihr «Estratto» in einem Satz für jemanden beschreiben, der die Kollektion noch nie gesehen hat?
Andrea Trimarchi und Simone Farresin: «Estratto» ist eine Kollektion aus Aluminiumtischen und -konsolen, die aus einem einzigen Profil entsteht und industrielle Präzision mit einer klaren materiellen, fast architektonischen Präsenz verbindet.

Der Name «Estratto» legt etwas Herausgefiltertes, Konzentriertes nahe. Was genau ist das «Extrakt», das Ihr mit dieser Kollektion formulieren wolltet? 
Der Name spielt sowohl auf den industriellen Prozess als auch auf die Idee an, aus einem einzigen generativen Element vielfältige Möglichkeiten abzuleiten. Jedes Stück ist ein Abschnitt eines durchgehenden Aluminiumprofils und zugleich die Herausarbeitung einer spezifischen Funktion aus einem grösseren System. Uns interessierte, wie eine einzige strukturelle Logik unterschiedliche Massstäbe, Nutzungen und räumliche Situationen hervorbringen kann, ohne an Kohärenz zu verlieren. 

Welche bestehenden Kompetenzen oder Produktionsprozesse von Pedrali waren für Euch der wichtigste Rahmen? 
Das Know-how von Pedrali im Bereich Aluminium und industrieller Fertigung war zentral. Uns ging es dabei um technische Präzision ebenso wie um die Fähigkeit, Ingenieurskunst mit Leichtigkeit und Eleganz zu verbinden. Das Projekt entstand aus einem engen Dialog mit den Fertigungsprozessen – insbesondere Profilherstellung, Montage und dem Zusammenspiel von struktureller Leistungsfähigkeit und optischer Schlichtheit. 

Gab es einen Moment, an dem Ihr wusstet: Jetzt funktioniert «Estratto» als eigenständige Typologie? 
Ja, als klar wurde, dass das Profil selbst die Logik der gesamten Kollektion trägt. Mit der konkaven Profilform wurde sichtbar, dass sich durch Wiederholung und Kombination desselben Elements verschiedene Grössen und Konfigurationen bilden lassen, ohne strukturelle Stabilität oder visuelle Einheitlichkeit zu verlieren. Ab diesem Moment verstanden wir «Estratto» als System, nicht mehr als einzelnes Produkt. 

Formafantasma beschäftigt sich stark mit Ressourcennutzung und Langlebigkeit. Wie zeigt sich diese Haltung konkret in der Wahl von Material, Konstruktion und Montage? 
Für uns bedeutet Langlebigkeit auch Klarheit und Anpassungsfähigkeit. Aluminium war wichtig, weil es leicht, recycelbar und robust ist. Wir haben die Anzahl der Komponenten reduziert und eine Konstruktionslogik entwickelt, die nachvollziehbar und ehrlich bleibt. Die Kollektion basiert auf wiederkehrenden Elementen und einfachen Montageprinzipien statt auf unnötiger Komplexität und soll technisch wie ästhetisch langfristig relevant bleiben. 

Gab es Spannungen zwischen Studiohandschrift und Markenidentität? 
Wir denken weniger in Kategorien eines «Stils», der einem ­Unternehmen übergestülpt wird. Uns interessiert der Dialog zwischen unserer Denkweise und der Kultur des Herstellers. «Estratto» bewegt sich genau an dieser Schnittstelle: Unser Interesse an Systemen, Materialität und industriellen Narrativen ist sichtbar, zugleich prägen Pedralis Identität, technisches Know-how und Fertigungskultur das Projekt wesentlich. Zusammenarbeit verstehen wir als Aushandlungsprozess, der zu etwas führen soll, das keine Seite allein erreichen könnte. 

FORMAFANTASMA

PEDRALI

Mehr Designideen gibt es in der Ausgabe 06•07/26 vom Magazin RAUM UND WOHNEN.

Text: Kirsten Höttermann
aus dem Magazin: Raum und Wohnen, Zeitschrift Nr. 06•07/26

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