Auf der Mornington Peninsula entwarf der Architekt Michael Leeton ein bodenständiges und dennoch ätherisches Landhaus, das sich mit Licht, Masse und stiller Widerstandsfähigkeit in einer rauen Landschaft auseinandersetzt.
Bevor das Haus gebaut wurde, gab es hier nur eine Wiese. Wunderschöne, sanfte Hügel mit Blick auf die Western Port Bay, im Sommer von der Sonne verbrannt, im Winter nass und oft von stürmischen Winden gepeitscht. Das war das unbebaute Grundstück, das dem Architekten Michael Leeton, Mitbegründer des Architekturbüros Leeton Pointon Architects in Melbourne, präsentiert wurde. Die Bauherrschaft kam mit einer klaren Vision: ein lichtdurchflutetes, funktionales Landhaus, das tief mit der umgebenden pastoralen Landschaft verbunden ist.
Zunächst verbrachte Leeton viel Zeit damit, das Gelände zu erkunden, sich damit vertraut zu machen, die besten Aussichten zu entdecken und die Windverhältnisse zu verstehen, um zu entscheiden, wo das Haus stehen sollte. Weil das Gelände in einem Buschfeuergebiet lag, musste das Gebäude vom Waldrand zurückversetzt werden. Ausserdem sollte das Haus als bewirtschafteter Bauernhof dienen, weshalb Platz für einen Weinberg und Vieh geschaffen wurde. Da es weder eine Strom- noch eine Wasserversorgung gab, bot das Projekt die Gelegenheit, auf Selbstversorgung hinzuarbeiten. So wurden unter anderem drei Dämme zur Wassersammlung gebaut und verdeckt integrierte Sonnenkollektoren in das Design aufgenommen. «Es gab so viele infrastrukturelle Überlegungen. Es ging nicht nur um das Haus», sagt Leeton. «Wir begannen mit einem grossen Masterplan und arbeiteten uns dann zu den kleineren Details vor.»
Ein guter Rahmen
Das Haus selbst musste robust genug sein, um Generationen zu überdauern. Die Materialien wurden aufgrund ihrer Langlebigkeit und Nachhaltigkeit ausgewählt: Gebrauchte Ziegelsteine und insbesondere Spritzbeton reduzierten den Abfall, der normalerweise bei traditionellen Betonierverfahren anfällt. Doch wie zerklüftete Berge, die über die Zeit hinweg durch Wind, Sonne und Regen geglättet wurden, wirkt das neu fertiggestellte Gebäude bereits alt, als wäre es organisch aus dem Boden gewachsen und nicht daraufgesetzt worden. Leeton gibt zu: «Es war fast so, als hätte es bereits eine eigene Geschichte, noch bevor es überhaupt gebaut war.»
Die kuppelartigen Gebäudeteile wurden teilweise von den Arbeiten des italienischen Architekten Dante Bini inspiriert. In Zusammenarbeit mit LBA Construction und Peter Felicetti Engineers experimentierte das Team mit neuen Bautechniken, um Gebäudeeffizienz und schöne, organische Formen zu erreichen. «Das Leitkonzept war, dass sich das Haus wie die natürliche Entwicklung eines Dorfes anfühlen sollte, in dem eine Struktur neben der anderen entsteht und sich zwischen ihnen kleine, intime Räume bilden, die einen Rhythmus aus Verengung und Erweiterung schaffen», erklärt Leeton. Grosse, geschwungene Wände wurden strategisch platziert, um nicht nur die Innenräume zu formen, sondern auch geschützte Aussenhöfe zu schaffen, die unabhängig vom Wetter das ganze Jahr über genutzt werden können.
Anpassungsfähigkeit war unerlässlich: Das Haus musste sowohl als gemütlicher Rückzugsort für wenige Personen dienen als auch Platz für grosse Familienfeiern und häufige Gäste bieten. «Es war eine Herausforderung, das Gefühl zu vermeiden, eine grosse, leere Hülle zu betreten», sagt Leeton. Das Wohnzimmer ist ein solcher Raum. Trotz seiner grosszügigen Proportionen schafft seine kokonartige Form Intimität, ergänzt durch warme, taktile Möbel, die von Leetons langjähriger Mitarbeiterin, der Innenarchitektin Allison Pye, ausgewählt wurden. «Die Familie sitzt gerne am Kamin, auch wenn sie zu zweit sind», sagt er. Um die kühleren Materialien wie Beton, Marmor und Glas auszugleichen, wurden Holzböden, polierte Putzwände und üppige Textilien verwendet. Die Verwendung verschiedener Materialien, auch wenn sie sich in Textur und Farbe nur geringfügig unterscheiden, trug dazu bei, die Masse des Gebäudes aufzubrechen und es zugänglicher und menschlicher wirken zu lassen.
Architektur
LEETON POINTON
Die komplette Reportage ist in der Ausgabe 03•04/26 vom Magazin RAUM UND WOHNEN zu lesen.
Text: Anna Bisazza, Bearbeitung: Kirsten Höttermann, Fotos: Lisa Cohen
aus dem Magazin: Raum und Wohnen, Zeitschrift Nr. 03•04/26