Land in Sicht

Auf der Mornington Peninsula entwarf der Architekt Michael Leeton ein bodenständiges und dennoch ätherisches Landhaus, das sich mit Licht, Masse und stiller Widerstandsfähigkeit in einer rauen Landschaft auseinandersetzt.

Aus dem Esszimmer schweift der Blick über den Innenhof zum «Round Room» und den sanften Hügeln dahinter. Ein Beistelltisch von Glas Italia ­mit Glasgefässen und Eukalyptusblättern flankiert den massgefertigten Esstisch aus Eiche von Motto Furniture & Cabinetry mit Stühlen von Mario Bellini aus den 1970er-Jahren.
Aus dem Esszimmer schweift der Blick über den Innenhof zum «Round Room» und den sanften Hügeln dahinter. Ein Beistelltisch von Glas Italia ­mit Glasgefässen und Eukalyptusblättern flankiert den massgefertigten Esstisch aus Eiche von Motto Furniture & Cabinetry mit Stühlen von Mario Bellini aus den 1970er-Jahren.
Ein dichter Gräsergarten legt sich wie ein weiches Band um das organisch geformte Haus und nimmt den Ton der Landschaft auf. Seine wechselnden Farben bringen die rohe Betonfassade sanft zum Leuchten.
Ein dichter Gräsergarten legt sich wie ein weiches Band um das organisch geformte Haus und nimmt den Ton der Landschaft auf. Seine wechselnden Farben bringen die rohe Betonfassade sanft zum Leuchten.
Handverputzte Wände und ein weicher Teppich aus 100 Prozent melierter neuseeländischer Wolle erden das Setting. Couchtisch und Sessel von Minotti mit einem glasierten Terrakotta-Beistelltisch von Paola Lenti markieren die Mitte des Raums. Davor spannt ein Kamin von Focus auf einer massgefertigten Betonbank die Kurve des Sofas weiter, im Hintergrund das Auftragsgemälde «Waterlyness» von Lara Merrett, flankiert von Wandleuchten von De Padova über einem Einbauschlafsofa mit Pouf von Anomaly.
Handverputzte Wände und ein weicher Teppich aus 100 Prozent melierter neuseeländischer Wolle erden das Setting. Couchtisch und Sessel von Minotti mit einem glasierten Terrakotta-Beistelltisch von Paola Lenti markieren die Mitte des Raums. Davor spannt ein Kamin von Focus auf einer massgefertigten Betonbank die Kurve des Sofas weiter, im Hintergrund das Auftragsgemälde «Waterlyness» von Lara Merrett, flankiert von Wandleuchten von De Padova über einem Einbauschlafsofa mit Pouf von Anomaly.

Bevor das Haus gebaut wurde, gab es hier nur eine Wiese. Wunderschöne, sanfte Hügel mit Blick auf die Western Port Bay, im Sommer von der Sonne verbrannt, im Winter nass und oft von stürmischen Winden gepeitscht. Das war das unbebaute Grundstück, das dem Architekten Michael Leeton, Mitbegründer des Architekturbüros Leeton Pointon Architects in Melbourne, präsentiert wurde. Die Bauherrschaft kam mit einer klaren Vision: ein lichtdurchflutetes, funktionales Landhaus, das tief mit der umgebenden pastoralen Landschaft verbunden ist. 

Zunächst verbrachte Leeton viel Zeit damit, das Gelände zu erkunden, sich damit vertraut zu machen, die besten Aussichten zu entdecken und die Windverhältnisse zu verstehen, um zu entscheiden, wo das Haus stehen sollte. Weil das Gelände in einem Buschfeuergebiet lag, musste das Gebäude vom Waldrand zurückversetzt werden. Ausserdem sollte das Haus als bewirtschafteter Bauernhof dienen, weshalb Platz für einen Weinberg und Vieh geschaffen wurde. Da es weder eine Strom- noch eine Wasserversorgung gab, bot das Projekt die Gelegenheit, auf Selbstversorgung hinzuarbeiten. So wurden unter anderem drei Dämme zur Wassersammlung gebaut und verdeckt integrierte Sonnenkollektoren in das Design aufgenommen. «Es gab so viele infrastrukturelle Überlegungen. Es ging nicht nur um das Haus», sagt Leeton. «Wir begannen mit einem grossen Masterplan und arbeiteten uns dann zu den kleineren Details vor.» 

Ein guter Rahmen 
Das Haus selbst musste robust genug sein, um Generationen zu überdauern. Die Materialien wurden aufgrund ihrer Langlebigkeit und Nachhaltigkeit ausgewählt: ­Gebrauchte Ziegelsteine und insbesondere Spritzbeton reduzierten den Abfall, der normalerweise bei traditionellen Betonierverfahren anfällt. Doch wie zerklüftete Berge, die über die Zeit hinweg durch Wind, Sonne und Regen geglättet wurden, wirkt das neu fertiggestellte Gebäude bereits alt, als wäre es organisch aus dem Boden ­gewachsen und nicht daraufgesetzt worden. Leeton gibt zu: «Es war fast so, als hätte es bereits eine eigene Geschichte, noch bevor es überhaupt gebaut war.» 

Die kuppelartigen Gebäudeteile wurden teilweise von den Arbeiten des italienischen Architekten Dante Bini inspiriert. In Zusammenarbeit mit LBA Construction und Peter Felicetti Engineers experimentierte das Team mit neuen Bautechniken, um Gebäudeeffizienz und schöne, organische Formen zu erreichen. «Das Leitkonzept war, dass sich das Haus wie die natürliche Entwicklung eines Dorfes ­anfühlen sollte, in dem eine Struktur neben der anderen entsteht und sich zwischen ihnen kleine, intime Räume bilden, die einen Rhythmus aus Verengung und Erweiterung schaffen», erklärt Leeton. Grosse, geschwungene Wände wurden strategisch platziert, um nicht nur die Innenräume zu formen, sondern auch geschützte Aussenhöfe zu schaffen, die unabhängig vom Wetter das ganze Jahr über genutzt werden können. 

Anpassungsfähigkeit war unerlässlich: Das Haus musste sowohl als gemütlicher Rückzugsort für wenige Personen dienen als auch Platz für grosse Familienfeiern und häufige Gäste bieten. «Es war eine Herausforderung, das Gefühl zu vermeiden, eine grosse, leere Hülle zu betreten», sagt Leeton. Das Wohnzimmer ist ein solcher Raum. Trotz seiner grosszügigen Proportionen schafft seine kokonartige Form Intimität, ergänzt durch warme, taktile Möbel, die von Leetons langjähriger Mitarbeiterin, der Innenarchitektin Allison Pye, ausgewählt wurden. «Die Familie sitzt gerne am Kamin, auch wenn sie zu zweit sind», sagt er. Um die kühleren Materialien wie Beton, Marmor und Glas auszugleichen, wurden Holzböden, polierte Putzwände und üppige Textilien verwendet. Die Verwendung verschiedener Materialien, auch wenn sie sich in Textur und Farbe nur geringfügig unterscheiden, trug dazu bei, die Masse des Gebäudes aufzubrechen und es zugänglicher und menschlicher wirken zu lassen.

Architektur
LEETON POINTON

In der Küche greifen raue Wände nach feinen Strukturen, Stoff streift Papier, Holz schmiegt sich an Stein, Rundbögen durchbrechen Geometrie.
In der Küche greifen raue Wände nach feinen Strukturen, Stoff streift Papier, Holz schmiegt sich an Stein, Rundbögen durchbrechen Geometrie.
Hohe Fenster und Oberlichter tauchen alles in natürliches Licht.
Hohe Fenster und Oberlichter tauchen alles in natürliches Licht.

Die komplette Reportage ist in der Ausgabe 03•04/26 vom Magazin RAUM UND WOHNEN zu lesen.

Text: Anna Bisazza, Bearbeitung: Kirsten Höttermann, Fotos: Lisa Cohen
aus dem Magazin: Raum und Wohnen, Zeitschrift Nr. 03•04/26

Artikel teilen

Datenschutzhinweis

Diese Webseite nutzt externe Komponenten, welche dazu genutzt werden können, Daten über Ihr Verhalten zu sammeln.

Notwendige Cookies werden immer geladen