In einem ehemaligen Schulgebäude in Rotterdam haben Michelle und Martijn ein Zuhause geschaffen, das ihre eigene Geschichte erzählt. Es ist farbenfroh, charakterstark und voller Energie.
Viele hätten gerne eine Wohnung wie diese: hohe Räume, viel Licht, Loftcharakter, ein Ort für Design, Kunst und Alltag zugleich. Das alte Schulgebäude, in dem Michelle Bauer und Martijn Kappers wohnen, liegt im Westen Rotterdams und wurde im Rahmen eines CPO-Projekts (Collective Private Commissioning) umgebaut, bei dem es darum ging, dass die künftigen BewohnerInnen ihr Zuhause gemeinsam entwickeln. Das Herzstück von Michelle und Martijns 160 Qudratmeter grossen Wohnung besteht aus zwei ehemaligen Klassenzimmern, die heute ein grosszügiger Wohnraum mit hohen Decken sind. Das ehemalige Lehrerzimmer dient als Atelier, der alte Flur beherbergt nun Küche und Waschküche. Nur die Deckenhöhe erinnert noch an die Zeiten, in denen hier Aufsätze geschrieben wurden. Das auffälligste Element ist ein schwebender Kubus, Michelles und Martijns «Zimmer im Raum». Er beherbergt Schlafzimmer, Ankleide und Gästetoilette. Getragen von zwei kräftigen Stahlträgern und einer tragenden Wand, scheint er dennoch in der Luft zu schweben. Trotz seiner Präsenz bleibt der Gesamtraum elegant proportioniert. «Wir wollten Offenheit, aber keine Kälte», sagt Michelle. «Darum sollte der Kubus nicht dominieren, sondern das Volumen strukturieren.»
Mit einer Deckenhöhe von vier Metern konnte das Paar das Raumvolumen optimal nutzen. Heute liegt der private Rückzugsbereich erhöht, darunter öffnet sich der kommunikative Wohnraum. «Ich liebe, dass wir hier tanzen und am Abend ein Kino aus dem Ort machen können», sagt Michelle. Diese Flexibilität war von Anfang an Teil des Konzepts: Der Wohnbereich lässt sich mühelos als Studio, Ort für Yoga oder gemeinsame Filmabende verwandeln.
2017 erhielten die beiden die Schlüssel, ab dem ersten Tag packten sie selbst mit an. Unterstützt wurden sie dabei von Eklund Terbeek Architects, die das Projekt architektonisch begleiteten und den offenen Grundriss gemeinsam mit ihnen entwickelten. Martijns Vater leitete viele Arbeitsschritte an, Freunde und Familie halfen mit. «Ich hatte überhaupt keine Bauerfahrung», sagt Michelle, «aber ich habe alles gelernt vom Dämmen übers Gipsen bis hin zu Stromarbeiten.» Der Umbau dauerte insgesamt sieben Jahre. Am Ende war es nicht nur ein Bauprojekt, sondern eine Lebensschule.
Die Reportage ist es in der Ausgabe 05•06/26 vom Magazin RAUM UND WOHNEN zu lesen.
Text: Chris Muijres, Bearbeitung: Kirsten Höttermann, Fotos: Caroline Coehorst, Styling: Anke Helmich
aus dem Magazin: Raum und Wohnen, Zeitschrift Nr. 05•06/26