Der italienische Möbelhersteller Gallotti & Radice begeht in diesem Jahr seinen 70. Geburtstag. Die Gelegenheit, zurückzublicken in die Firmengeschichte und zugleich die Zukunft zu feiern – mit der Ausstellung «Tales in Glass» anlässlich der diesjährigen Mailänder Designwoche.
Die Zukunft ist aus Glas. Glas, das sich geschmeidig wie Honig in ein Gitternetz schmiegt. Glas, dessen Farben in einem sanften Verlauf von innen zu leuchten scheint. Glas, das wie aus schimmernden Bruchstücken zusammengesetzt ist. Wie viele verschiedene Facetten das Material hat, wie viele verschiedene Formen und Oberflächen sich damit erzeugen lassen, das war wohl das Faszinierendste in der Ausstellung «Tales in Glass», mit der Gallotti & Radice zur Mailänder Designwoche seinen 70. Geburtstag feierte. Inszeniert in der prachtvollen, holzvertäfelten Enfilade des Palazzo Meli Lupi di Soragna, führte die Ausstellung durch die Geschichte und Gegenwart des italienischen Herstellers.
1956 gründeten Pierangelo Gallotti und Luigi Radice das Unternehmen als Werkstatt für künstlerische, handwerklich gefertigte Glasobjekte. Heute wird es in zweiter Generation von Silvia Gallotti geführt und stellt längst nicht mehr nur Objekte aus Glas her. Das Sortiment umfasst ein umfangreiches Programm an Möbeln, von Sofas und Sesseln über Tische und Regale bis hin zu Leuchten und Accessoires. Die aktuelle Kollektionen mit Entwürfen von Studio Pepe oder Massimo Castagna bildeten einen Schwerpunkt der von der französischen Interiordesignerin Sophie Dries gestalteten Jubiläumsausstellung in Mailand – die beiden anderen Kapitel waren der Vergangenheit und der Zukunft gewidmet.
Auch die Vergangenheit war aus Glas: Gallotti & Radice gehörte zu den ersten Unternehmen, die das traditionsreiche Material zu Möbeln verarbeiteten. Bis heute eines der zentralen Objekte in der Kollektion: der «Adam»-Tisch, den Luigi Massoni 1971 entworfen hatte. Eine runde Glasplatte, lediglich getragenen von zwei ebenso gläsernen Halbsäulen und gehalten von feinen Metallbeschlägen. Zum 70. Geburtstag hat Sophie Dries den Tisch aktualisiert, mit einer abgerundeten, dreieckigen Platte auf drei Beinen. Deutlich grösser als das Original, trägt die neue Version entsprechenden Kundenwünschen Rechnung. Dries zeigte in «Tales in Glass» auch eine Reihe anderer Ikonen aus der Firmengeschichte. Zu den ausgestellten Objekten gehörten unter anderem die spektakuläre «Spirale»-Pendelleuchte von Giorgio Reggiori und verschiedene Glasmöbel von Pierangelo Gallotti und dem Inhouse-Designteam des Unternehmens.
Buchstäblich das verbindende Element der Tische und Regale ist ein Metallprofil, das die Glasscheiben über Eck zusammenhält. Es gilt längst als Signature piece der Marke, Möbel aus den 1970er- und 1980er-Jahren mit diesem Verbindungsstück sind begehrte Sammelobjekte. Auch für Sophie Dries waren die Vintagemöbel der erste Kontakt mit Gallotti & Radice: Die Pariser Interiordesignerin, die einige Jahre in Italien gelebt hatte, setzte sie in ihren Einrichtungsprojekten ein. «Das mache ich oft, ich kombiniere Vintage mit zeitgenössischen Stücken und extra angefertigten Möbeln.» Gemeinsam mit Silvia Gallotti trug sie für die Ausstellung über Monate alte Originale zusammen, sie fanden sie bei HändlerInnen und in Auktionen. Dries sieht Bedarf für gebrauchte, aufbereitete Ikonen der Designgeschichte, die KundInnen direkt beim ursprünglichen Hersteller erwerben können – in der Gewissheit, wirklich Originale in gutem Zustand zu bekommen.
Die Zukunft repräsentierten in Mailand sechs internationale Designstudios, die für Gallotti & Radice eine Jubiläumskollektion ganz aus Glas entworfen haben.
Der komplette Beitrag ist in der Ausgabe 06•07/26 vom Magazin RAUM UND WOHNEN zu lesen.
Text: Jasmin Jouhar
aus dem Magazin: Raum und Wohnen, Zeitschrift Nr. 06•07/26