Wohnen : Berlin

Mobile Mitbewohner

Ach Berlin, was bist Du heiter! Vor einigen Jahren liess sich der weitgereiste Designspezialist Florian von Holstein im angesagten Prenzlauer Berg nieder und lebt hier sozusagen in einer offenen Beziehung mit ganz besonderen Möbeln.

Die Wohnung von Florian von Holstein ist ein Experimentierfeld: Mit welchem Möbel wohnt es sich gut? Wie ergänzen sich die Objekte mit Kunstwerken? Kommt man ihn beim nächsten Mal besuchen, sieht das Wohnzimmer sicher schon wieder anders aus.
Die Wohnung von Florian von Holstein ist ein Experimentierfeld: Mit welchem Möbel wohnt es sich gut? Wie ergänzen sich die Objekte mit Kunstwerken? Kommt man ihn beim nächsten Mal besuchen, sieht das Wohnzimmer sicher schon wieder anders aus.
Florian von Holstein, Designspezialist und Inhaber von Space + Chrome, in seiner Berliner Wohnung.
Florian von Holstein, Designspezialist und Inhaber von Space + Chrome, in seiner Berliner Wohnung.

Florian von Holstein hat mehrere Leidenschaften – alte Motorräder, Pfannkuchen, Druckkunst. Aber die wohl wichtigste Leidenschaft des Spezialisten für Midcentury- und Space-Age-Design sind Möbel. «Ich möbliere meine Wohnung immer wieder um», sagt der Berliner, als sei es das Normalste der Welt, und streicht dabei liebevoll über ein Sofa. «Sonst wäre mir langweilig. Meine Möbel sind so etwas wie meine Mitbewohner auf Zeit.»

Für ihn ist ein solches regelmässiges Austauschen sicher leichter als für manch anderen, handelt er doch mit genau diesen Möbeln: Von Holstein betreibt in Berlin eine Galerie für Vintage-Design, deren Stücke er häufig bei Auktionen in ganz Europa aufspürt. Gemeinsam mit RestauratorInnen und Polsterern werden sie aufgearbeitet, bevor sie ihren Weg zu SammlerInnen in aller Welt finden. Begonnen hat diese Leidenschaft allerdings nicht in Berlin, sondern 2006 in London. Damals führte von Holstein eine Kunstgalerie, doch zugleich bemerkte er eine neue Bewegung: «Die Londoner begannen sich plötzlich stark für Midcentury- und Space-Age-Design zu interessieren. Und ich fand das unglaublich spannend.» 

Designklassiker im neuen Gewand 
Doch es geht dem Sammler nicht einfach darum, historische Möbel zu erhalten. Für ihn sollen die Stücke im Heute und im Morgen weiterleben und dürfen sich deshalb auch verändern. «Nehmen wir zum Beispiel diesen Sessel hier», sagt er und zeigt auf einen berühmten «Ox Chair» des dänischen Designers Hans J. Wegner. «Der war ursprünglich mit schwarzem Leder bezogen. Das wirkte sehr kühl.» Also beriet er sich mit der Berliner Polsterin, mit der er seit Jahren zusammenarbeitet. «Am Ende haben wir uns für einen sattgrünen Wollstoff aus den Niederlanden entschieden. Ich finde, das holt den Sessel sehr elegant ins Heute.» 

Viele solcher Stücke hat der Kenner in seiner Wohnung mit Blick auf die geschäftige Eberswalder Strasse versammelt. Ein Norman-Cherner-Stuhl aus den 1950er-Jahren steht neben einem Esstisch von Osvaldo Borsani und Eugenio Gerli für Tecno. In einer Ecke leuchtet eine «Arco»-Leuchte von Achille und Pier Giacomo Castiglioni, während weiter hinten eine Murano-Glasleuchte aus den 1960er-Jahren warmes Licht verbreitet. Auf den ersten Blick mag die Zusammenstellung fast schon etwas improvisiert wirken. Doch tatsächlich findet bei von Holstein eine sehr durchdachte Auswahl für die verschiedenen Stücke statt, die den Castings auf dem Berliner WG-Markt in nichts nachsteht. 

Mitbewohner auf Zeit 
Einige Möbel bleiben nur kurz, andere länger. «Das gehört einfach zu meinem Leben». Schliesslich ist die Berliner Wohnung zugleich eine Art belebter Showroom. Wer hier zu Besuch ist, kann Designklassiker im Zusammenhang erleben. Und manchmal findet sogar das eine oder andere Stück von hier aus ein neues Zuhause.

Farbe, bitte! Türkisfarbene Ledersessel – ein Beispiel für italienisches Design der 1960er-Jahre. Dahinter eine abstrakten Metallskulptur eines befreundeten Berliner Künstlers.
Farbe, bitte! Türkisfarbene Ledersessel – ein Beispiel für italienisches Design der 1960er-Jahre. Dahinter eine abstrakten Metallskulptur eines befreundeten Berliner Künstlers.
Blick aus dem Schlafzimmer durch die Zimmerflucht, die von Holstein in Absprache mit der Vermieterin neu herstellen liess: Im Vordergrund ein «Cherner Chair», dahinter im Esszimmer Saarinen «Executive Chairs» in Senfgelb um einen Glastisch, dazu die «Arco»-Stehleuchte von Achille Castiglioni für Flos.
Blick aus dem Schlafzimmer durch die Zimmerflucht, die von Holstein in Absprache mit der Vermieterin neu herstellen liess: Im Vordergrund ein «Cherner Chair», dahinter im Esszimmer Saarinen «Executive Chairs» in Senfgelb um einen Glastisch, dazu die «Arco»-Stehleuchte von Achille Castiglioni für Flos.

Der komplette Artikel ist in der Ausgabe 08•09/26 vom Magazin RAUM UND WOHNEN zu lesen.

Text: Barbara Hallmann, Fotos: Christoph Theurer
aus dem Magazin: Raum und Wohnen, Zeitschrift Nr. 08•09/26

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