Zurich Design Weeks 2026

Alles offen

Orte, die man sonst geschäftig passiert, werden zur Ausstellung, Hinterhöfe, Studios und öffentlicher Raum zu Schauplätzen – denn Zürich ist im Vorbereitungsmodus: Die Zurich Design Weeks stehen in den Startlöchern, um vom 17. bis zum 27. September zum fünften Mal Impulse zu setzen. Diesjährig mit dem Motto «Out of…».

llustration: © Paula Mühlena, Zurich Design Weeks

Es ist die grösste Designveranstaltung der Schweiz. Während elf Tagen wird die gesamte Stadt – von Kreis eins bis elf – gewissermassen zum begehbaren Riesenpodest. Über die Stadt verteilt inspiriert, aktiviert, informiert und regt ein abwechslungsreiches Programm an. Das Augenmerk liegt klar auf Design. Nicht nur das feinsäuberlich Polierte und formal Ausgereifte wird dabei pointiert ausgeleuchtet, es geht ebenso um die Designprozesse dahinter und das Potenzial von Gestaltung, eine zukunftsorientierte sowie gesellschaftsrelevante Veränderung mitzudenken. Dementsprechend adäquat ist auch das Motto: «Out of …» ruft dazu auf, vorgezeichnete Raster bewusst zu umgehen und neue Perspektiven einzunehmen. Um nachhaltig gute Veränderungen zu schaffen, braucht es Ansätze, die nicht das Altbekannte wiederkäuen, sondern neugierig machen, aus neuen Winkeln zu blicken. «Es ist eine Einladung sich zu bewegen – gedanklich, gestalterisch, gesellschaftlich», so die Veranstalterinnen zum Programm. Dabei darf, beziehungsweise soll, «Out of…» frei interpretiert werden. «Out of the Blue», «Out of the box» oder auch «Out of office» sind Ansätze, die sich anbieten, über die es aber auch weit hinausgehen wird. So bewegen sich auch die Formate raus aus klassischen Gefilden: Neben Ausstellungen und Neuheiten von grossen Schweizer Marken und Arbeiten junger sowie renommierter Designschaffender gibt es vielerlei Vorträge und Podiumsdiskussionen, Mitmach- Workshops, Installationen im urbanen Raum und kuratierte Spaziergänge zu diversen Hotspots der Design Weeks durch die Stadt. So ist es gewiss kein Hexenwerk, während der elf Tage auf seine Kosten zu kommen – auch gänzlich ohne Designkenntnisse. Für ein paar Anhaltspunkte und Inspirationen haben wir auf den kommenden Seiten eine Auswahl des diesjährigen Programms und der Aktivitäten für Sie zusammengesucht.

Chronologisch lässt sich dem Programm wohl nur schwer folgen. Ebenso schwierig wird es, wie bei wohl jedem Designfestival, alle Punkte der Agenda abzuarbeiten. Dabei sein kann man auf vielfältige Weise. Geben wir also ein paar Impulse, denen man sich hingeben und darüber hinaus weitertreiben lassen kann.

Komprimiert angeboten, Zurich Design Weeks, llustration: © Paula Mühlena

Komprimiert angeboten 
Die Design Zentrale – das Herzstück der Zurich Design Weeks – befindet sich im Museum für Gestaltung Zürich an der Ausstellungsstrasse. Dort, in der Swiss Design Lounge, liegen alle Infos und Inspirationen bereit, um informiert und beschwingt loszutraben. Hier wird zudem am 17. September das Festival offiziell eröffnet. Ergänzt wird die Zentrale ausserdem durch Newcomer- Arbeiten junger Designabsolvierender, Projekte von Studierenden sowie diverse Talks und Workshops – ein Ort, zu dem man immer wieder zurückkehren kann. Als Partner der Design Weeks und mit ebenso geballtem Programm bietet es sich ausserdem an, dem House of Interiors in der Binz einen Besuch abzustatten. Ein Haus voller Studios und Betriebe, die vor Ort Handwerk und produzierendes Gewerbe verbinden. Auch in diesem Jahr gibt es ein umfangreiches Angebot von über sieben Einzelausstellungen zu den Design Weeks. Unter anderem treten mit «Objects of Desire» Design-Ikonen und zeitgenössische Kreativität in einen kuratierten Dialog, der von Nilufars Gründerin Nina Yashar und der Schweizer Interior Designerin Iria Degen inszeniert wird, während kt.Color unter dem Titel «Blau machen» mit einer Installation und begleitenden Talks in die Geschichte historischer Blau-Pigmente eintaucht. Garantiert ein idealer Ort, wenn man nebenbei ein bisschen Inspiration fürs eigene Zuhause sucht.

Szenisch orientiert 
Ohne Zweifel wird vor allem die Kreativszene Zürichs während dieser elf Tage aufdrehen: Ob Studios mit offenen Türen, lokale Designlabels, Gruppenausstellungen oder Schweizer Hochschulen – das Programm komplettiert sich organisch durch seine Vielfältigkeit. Wie Design und Chirurgiemasken zusammenkommen, zeigt die Zürcher Initiative Plastic Studio, die einen neuen Hocker und einen Stuhl vorstellt, beide entstanden aus rezyklierten Mundschützen. Zudem öffnet der renommierte Zürcher Designer Robert Wettstein die Türen seines Studios: Unter dem Titel «Plenty» bilden skulpturale Einzelstücke aus gefertigten, gefundenen und geschenkten Materialien eine Kollektion, von der ausgewählte Stücke zum Verkauf stehen werden. Mit «Dislocated Utility_Objects out of Place» bespielen überdies die Designerinnen Natascha Madeiski und Paulina Reséndiz einen ehemaligen Waschraum der SBB-Werkstätten an der Hohlstrasse. Der Raum selbst wird Teil der Inszenierung: In verschobenen Kontexten treffen darin Arbeiten aus Design, Kunst und Handwerk aufeinander.

Szenisch orientiert, Zurich Design Weeks, llustration: © Paula Mühlena
Angeleitet mitgemacht, Zurich Design Weeks, llustration: © Paula Mühlena

Angeleitet mitgemacht 
Auch dem vielleicht eher passiven Zuhören oder Bestaunen lässt sich entfliehen. Eine Palette an Workshops ermöglicht es, entweder selbst handwerklich aktiv und kreativ zu werden oder sich noch intensiver mit einem Thema auseinanderzusetzen. Praktisch wird es etwa im Torro Studio im Kreis 4: Unter dem Motto «Creativity comes from Experimentation» wird skizziert, gemalt, getöpfert, fotografiert und formal experimentiert – im weitesten Sinne eine Hommage an die Kreativität als gelebte Praxis. Etwas gröber, aber genauso frei, geht es in Hottingen bei Dopo zu, einem Studio für Innenarchitektur. Unter dem Titel «We love Enzo», angelehnt an ein Projekt des renommierten Designers Enzo Mari, wird hier gebaut: aus Dachlatten und Holzbrettern entstehen unter Anleitung eigene Möbelstücke. Vorbereitete Inspirationen dürfen aufgegriffen oder getrost ignoriert werden, denn am Ende zählt nur eines: der Spass am Machen, am Material, an der Konstruktion selbst.

Inspiriert spaziert 
Falls einem die Bandbreite des Programms oder das vage Treibenlassen in der Stadt doch etwas überwältigend erscheint – es wurde vorgesorgt. Die Kuratorinnen und Veranstalterinnen der Zurich Design Weeks, Anita Simeon Lutz und Gabriele Chicherio, bieten geführte Spaziergänge durch die Stadt an: Verschiedene Routen setzen dabei eigene Schwerpunkte und lassen neben Informationen zu den einzelnen Programmpunkten auch Raum für persönliche Gespräche und Hintergrundwissen. Startpunkt dafür ist immer das Museum für Gestaltung Zürich in der Ausstellungsstrasse. Wer lieber eigenständig unterwegs ist, findet in der diesjährigen «Zurich Design Map» von Design Promenade, in Kollaboration mit der Swiss Design Embassy, einen zuverlässigen Begleiter. Kostenlos im Museum für Gestaltung erhältlich, bündelt sie nicht nur Orte und Ausstellungen im DIN-Format, sondern verlinkt über einen Audiowalk in einer App auch zu Objekten im öffentlichen Raum, ganz unabhängig von den temporären Ausstellungen der Design Weeks. Ganz anders tickt die Poster Safari im Kreis 5: Statt Werbebotschaften bespielen hier Designschaffende 20 grossflächige Wände, kuratiert unter dem Motto «Out of…». Eine interaktive Karte in der App verrät die Standorte, und wer sein Handy vor Ort auch vor einem Poster zückt, entdeckt beim Scannen zusätzliche Augmented-Reality-Inhalte – ein Spaziergang, der sich, ganz nebenbei, auch noch digital erweitert.

Inspiriert spaziert, Zurich Design Weeks, llustration: © Paula Mühlena
Mittendrin geschehen, Zurich Design Weeks, llustration: © Paula Mühlena

Mittendrin geschehen 
Man muss die Zurich Design Weeks nicht gezielt ansteuern, manchmal genügt ein einfacher Bummel durch die Stadt und man steht mittendrin. Die schwarz-grünen Würfel vor den Türen kündigen das jeweilige Event an, doch an der Europaallee wird sogar die Strasse selbst zum Schauplatz: Unter dem Titel «Die Stadt über unseren Köpfen» bildet die Hochschule Luzern hier, im Massstab 1:1, das Dach des Baufelds F auf dem Boden ab – eine Fläche, die sonst kaum ein Blick erreicht, wird für das Designfestival zum begehbaren Abdruck ihrer selbst. Wer durchläuft, was sonst nur Vögel oder Drohnen sehen, bekommt einen Vorgeschmack darauf, wie viel ungenutztes Potenzial auf den Dächern der Stadt schlummert und wie beiläufig Design manchmal auftaucht, mitten im Alltag, ganz ohne Logo oder Aushängeschild. So unmittelbar lässt sich auch der «Urban Energy Pavillon» in der erst diesjährig eröffneten Remise Rosa erleben: eine interaktive Installation rund um Solararchitektur, Design und urbane Bepflanzung, entstanden aus der Zusammenarbeit von Zurich Soft Robotics und Hortus Urbis.

Direkt verfolgt 
Nichts vermittelt Gedanken und Expertise so unmittelbar wie das direkte Gespräch. Deshalb setzen diverse Institutionen, Studios und Firmen auf Talks und Podiumsdiskussionen und lassen den Diskurs live miterleben. Beim Machine Arts Kiosk etwa dreht sich alles um eine Frage, die drängender wird, je öfter Maschinen selbst gestalten: Wem gehört ein Werk, wenn ein Algorithmus es produziert hat? Neben live gezeigten, algorithmus-produzierten Arbeiten bringen drei Talks unterschiedliche KünstlerInnen zu genau diesem Spannungsfeld zwischen künstlerischer Autorenschaft und maschineller Produktion zusammen. Sehr diskursiv und vielfältig gerahmt ist die «Tsüri Pitch Night» im Freitag- Store in der Binz: Sechs SpeakerInnen aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft, darunter VertreterInnen von Freitag, Swiss Textiles oder der ETH Zürich, pitchen in jeweils sieben Minuten ihre Lösungsansätze für eine nachhaltige Produktzukunft.

Direkt verfolgt, Zurich Design Weeks, llustration: © Paula Mühlena
Helvetisch prononciert, Zurich Design Weeks, llustration: © Paula Mühlena

Helvetisch prononciert 
Ob im eigenen Showroom, in Kollaboration oder angemietetem Ambiente – zahlreiche Schweizer Designmarken präsentieren auf den Design Weeks Neuheiten, Klassiker und Expertisen rund um die Marke, oft ergänzt durch Überraschungen, die eigens für den Anlass entstanden sind. So etwa die Waadtländer Bettenmanufaktur Maison Elite, die unter dem Motto «Not just a Bed» jährlich zu den Elite Design Awards aufruft und Kreativschaffende weltweit dazu einlädt, das wohl am meisten belegte Möbelstück – das Bett – neu zu denken. Über 180 Einreichungen aus mehr als 30 Ländern traten 2026 unter dem Motto «Luxury Cosmopolitan Cocoon» an. Die Jury kürte drei Visionen junger Talente aus Frankreich und Polen, die in den Werkstätten von Aubonne Gestalt annahmen. Zu den Design Weeks werden alle drei erstmals gezeigt. Um Handwerkstradition geht es auch bei Negra Carpet & Home: Unter dem Titel «World of Knots & Endless Threads» entsteht gemeinsam mit dem Label Kymo und dem Traditionshaus Fischbacher 1819 ein Raumkonzept, das Web-, Knüpf- und Tuftstühle entlang der historischen Seidenstrasse zusammenführt – eine Kollaboration, die zeigt, wie viele Fertigungstraditionen sich in einem einzigen Teppich bündeln lassen.

In manchen Fällen – besonders bei Talks oder Workshops – ist eine Anmeldung notwendig und es können Kosten anfallen. Weitere Informationen und Programmpunkte zu den Zurich Design Weeks finden Sie auf der Website. 

ZURICH DESIGN WEEKS

Mehr Inspirationen für Architektur, Wohnen und Design gibt es in der Ausgabe 09•10/26 vom Magazin RAUM UND WOHNEN.

Text und Illustration: Paula Mühlena
aus dem Magazin: Raum und Wohnen, Zeitschrift Nr. 09•10/26

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