Ein Zuhause für Unbekannt

Wie richtet man eine Wohnung für Menschen ein, die man nicht kennt? Alexandra Ammann fand im ­Zürcher Altbau eine klare Antwort: mit warmen Farben, belastbaren Materialien und Möbeln, die sich ­verschieben lassen, ohne dass der Raum seinen Zusammenhang verliert. Gedacht war die Wohnung für kurze Mietzeiten. Die ersten Mieter zogen ein und blieben.

Der Blick vom Wohnzimmer ins Esszimmer zeigt, wie eine ausgehängte Tür Räume öffnen kann. Tisch «Ultimo» von Tossa, vier «Eames Chairs» und die Pendelleuchten «Saucer ­Bubble» stehen im Raumverbund mit dem Wohnzimmer.
Der Blick vom Wohnzimmer ins Esszimmer zeigt, wie eine ausgehängte Tür Räume öffnen kann. Tisch «Ultimo» von Tossa, vier «Eames Chairs» und die Pendelleuchten «Saucer ­Bubble» stehen im Raumverbund mit dem Wohnzimmer.
Das cognacfarbene Ledersofa von Muuto gibt im ­Wohnzimmer den Ton an. Der Wollteppich nimmt die Farben des Raums auf und hält ihn zusammen.
Das cognacfarbene Ledersofa von Muuto gibt im ­Wohnzimmer den Ton an. Der Wollteppich nimmt die Farben des Raums auf und hält ihn zusammen.
Die Küche bleibt schlicht und belastbar. Quadratische ­Terrakottafliesen erinnern an die früher üblichen Sechseckfliesen.
Die Küche bleibt schlicht und belastbar. Quadratische ­Terrakottafliesen erinnern an die früher üblichen Sechseckfliesen.

Als möblierte Wohnung auf Zeit war diese 95 Quadratmeter-Wohnung im ersten Obergeschoss eines Mehrfamilienhauses im Englischviertel gedacht. Für jemanden etwa, der ein Lehrsemester an der ETH absolviert, sich für einige Monate einrichtet und ab und zu Besuch von der Familie bekommt. Die ersten Mieter hatten einen anderen Plan. Ein junges Paar zog ein, fand Gefallen an den Räumen und den Möbeln und blieb auf unbestimmte Zeit.

Der Eigentümer lebt selbst im Erdgeschoss des Hauses. Diese Wohnung hatte Alexandra Ammann, Innenarchitektin bei Teo Jakob in Winterthur, bereits 2011 für ihn eingerichtet. Als die Wohnung darüber zum Verkauf stand, griff er zu. Er wollte vorerst unten wohnen bleiben, konnte sich aber vorstellen, später selbst in den ersten Stock zu ziehen. Also brauchte es eine Einrichtung, die zu ihm passt, ohne sich zu sehr auf ihn festzulegen. Die Innenarchitektin kannte seinen Geschmack aus der ersten Zusammenarbeit. Nun entwickelte sie eine Wohnung, die Frauen und Männer anspricht, Gästen Raum gibt und trotzdem nicht nach Serviced Apartment aussieht. 

Den Altbau wieder lesen 
Zuerst wurde der Altbau wieder sichtbar gemacht. Eine Sanierung aus den 1980er-Jahren hatte vieles geglättet, aber auch beschädigt. Sämtliche Böden wurden ersetzt, auch weil der Eigentümer einen wirksamen Schallschutz zwischen den Geschossen wollte. In den Wohnräumen liegt jetzt Fischgrätparkett. Der Wintergarten erhielt eine Zementfliese in einem passenden Farbton. Dort hatte zuvor Holzparkett gelegen. Mit dem gefliesten Boden bekam der Raum wieder die Anmutung eines Wintergartens. Leichte Outdoormöbel von Kettal können einfach nach draussen wandern.

Auch die Küche knüpft an die Geschichte des Hauses an. Früher lagen in solchen Wohnungen oft sechseckige Terrakottafliesen. Hier fiel die Wahl auf eine quadratische, zeitgemässe Variante in Terrakotta. Die Küche musste robust und praktisch sein. Sie bietet Stauraum, bleibt aber offen und wird nicht übermöbliert. Ihre Arbeitsfläche aus Kunststein erinnert in ihrer Körnung an Terrazzo. 

Der Terrazzo im Eingangsbereich das Hauses wurde zum Ausgangspunkt für die Farbwelt. Seine Einschlüsse enthalten die Töne, die sich durch die Wohnung ziehen. Unterschiedliche Oberflächen dürfen Spannung erzeugen. Sie sollen sich aber nicht gegenseitig stören. Die Wände blieben bewusst nicht weiss, nur Täfer, Türen und Türrahmen sind weiss gestrichen. Vorhandenes Täfer in den Zimmern wurde erhalten. In der Küche ergänzte die Innenarchitektin es, damit die Räume wieder eine Einheit bilden. «Gewürztöne», sagt Ammann, «gefallen Männern und Frauen.» Extreme Kontraste aus hartem Schwarz und Weiss vermied sie. Entscheidend war für sie, dass sich Holz, Textilien, Metall und Stein auch dann farblich vertragen, wenn Möbel einmal den Raum wechseln. 

Für den Gebrauch gemacht 
Diese Beweglichkeit war Teil des Konzepts. Die Wohnung sollte auch nach einer Umstellung noch funktionieren. Wer hier wohnt, darf einen Sessel anders stellen oder einen Tisch in ein anderes Zimmer schieben, ohne dass das Gesamtbild kippt.

Innenarchitektur
TEO JAKOB

Weitere Einblicke in den Altbau gibt es in der Ausgabe 10•11/26 vom Magazin RAUM UND WOHNEN.

Text: Kirsten Höttermann, Fotos: Pierre Kellenberger Fotografie
aus dem Magazin: Raum und Wohnen, Zeitschrift Nr. 10•11/26

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