Der Reiz der Gegensätze

Andrea Seiler jagt keinen schnelllebigen Wohntrends hinterher, sondern will Wohnräume mit Leben füllen. Wie ihr das gelingt? Mit Farben, Materialien und Formen, die scheinbar gegensätzlich sind und doch zusammenpassen.

SOFA «Julep». Design: Jonas Wagell. TACCHINI.

SOFA «Julep». Design: Jonas Wagell.

TACCHINI

Nach ihrem Architekturstudium an der ETH arbeitete Andrea Seiler erst als Architektin, bevor sie ihre Liebe zu Innenräumen entdeckte. 2015 übernahm sie die Geschäftsführung im MZ Möbelzentrum AG in Volketswil. Drei Jahre später gründete sie ein eigenes Studio für Innenarchitektur und Design. Ihr Portfolio reicht von gesamten Umbauplanungen über die Gestaltung einzelner Räume bis hin zu Farb- und Beleuchtungskonzepten.
Nach ihrem Architekturstudium an der ETH arbeitete Andrea Seiler erst als Architektin, bevor sie ihre Liebe zu Innenräumen entdeckte. 2015 übernahm sie die Geschäftsführung im MZ Möbelzentrum AG in Volketswil. Drei Jahre später gründete sie ein eigenes Studio für Innenarchitektur und Design. Ihr Portfolio reicht von gesamten Umbauplanungen über die Gestaltung einzelner Räume bis hin zu Farb- und Beleuchtungskonzepten.

Ein stimmiges Interieur beginnt für mich mit der Architektur des Hauses oder Appartements. Deshalb versuche ich, in meinen Projekten bereits zu Beginn Innenarchitektur und Einrichtungsgestaltung in Einklang zu bringen. Die BewohnerInnen sollen sich angesprochen und zuhause fühlen, darin sehe ich den Kern meiner Arbeit. Vielleicht liegt das an meinem beruflichen Hintergrund als ETH-Absolventin, denn schon während meines Studiums haderte ich mit der Nüchternheit, die moderne Architektur oft mit sich bringt. Klarheit ist wichtig, aber wenn man einzig aus diesem Gedanken heraus gestaltet, fehlt schnell etwas und die Wohnräume wirken irgendwie unfertig. Hier sehe ich meine Rolle in der Branche: Ich will Wohnräume lebendig machen. Und das gelingt mir mit Formen, Materialien und Farben, die ich dieser Architektur entgegensetze. Es darf verspielt sein, ein wenig verrückt, bunt – denn es braucht diese Gegensätze. Eigentlich ist es wie in der Sterneküche: Es muss warm und kalt sein auf dem Löffel, knuspern und kitzeln, denn erst unterschiedliche Texturen tragen zum Gesamterlebnis bei. Natürlich nicht ohne eine gewisse Tiefe, aber für diese sorgt das gute Design der Firmen, mit denen ich zusammenarbeiten darf.

In meiner Zusammenstellung habe ich einfache, aber auch runde, organische Formen ausgewählt. Da wäre das Sofa «Julep» in Grün von Tacchini, dessen weicher Bogen einen herrlichen Kontrast bildet zur gängigen, geradlinigen Architektur. Die Farbe wiederhole ich im Teppich, der nun aber wieder bewusst eher grafisch daherkommt. Am Tisch von Cassina mag ich die ungewöhnliche Form und die transparente Oberfläche des Rohrgeflechts. Er wirkt auf seine Art japanisch, wie in einem traditionellen Handwerksbetrieb gefertigt. Das Japanische bringt auch der Holzstuhl von Karimoku Case Study mit. Und so spiele ich mit Möbeln, Accessoires und unterschiedlichen Oberflächen, bringe scheinbar Gegensätzliches in Einklang und komponiere Interiors, die voller Leben sind und mit denen ich die Sinne der Bewohner anregen möchte. Vieles entsteht aus einem Gefühl heraus – Gestalten lässt sich nur bis zu einem gewissen Grad erlernen. Vielleicht ist es aber gerade das, was die Wohnräume dann interessant macht.

SOFA «Julep». Design: Jonas Wagell. TACCHINI.

TEPPICH «C10». Design: Andrea Seiler.

ANDREA SEILER

SOFA «Julep». Design: Jonas Wagell. TACCHINI.

KÜCHE Kunden-Projekt

OREA-KUECHEN

SOFA «Julep». Design: Jonas Wagell. TACCHINI.

COFFEE TABLE «Rio». Design: Charlotte Perriand.

CASSINA

SOFA «Julep». Design: Jonas Wagell. TACCHINI.

STUHL «N CC 01». Design: Norm Architects.

KARIMOKU-CASESTUDY.COM

SOFA «Julep». Design: Jonas Wagell. TACCHINI.

LEUCHTEN «Spokes». Design: Studio Garcia Cumini.

FOSCARINI

SOFA «Julep». Design: Jonas Wagell. TACCHINI.

TAPETE «Nuages», MATERIAL «Lachsleder» und PARKETT«Opus».

STRASSERTHUN
PIERREFREY
OSCARONO

aus: Raum und Wohnen, Heft Nr. 10•11/2021

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